24 Januar 2019

Der Musikus (Teil 1)

Am 24.01.2018 hatte ich in dem Beitrag "Der Musikus (Prolog)" angekündigt, dass ich meine ganz persönliche Musikmachgeschichte hier aufrollen möchte. Damals schloss ich mit der geradezu verzweifelten Aufforderung, mein Posting doch bitte zu kommentieren, denn erst bei einem Kommentar würde ich den nächsten Teil nachschieben. Da ich nicht wirklich mit einem Kommentar gerechnet hatte, kündigte ich an, dass ein weiterer Teil womöglich trotzdem irgendwann kommen würde, denn "Dem stream of consciousness muss es nämlich völlig egal sein, ob jemand das liest oder nicht". Um nicht ganz so verzweifelt rüberzukommen, soll der zweite Teil (eigentlich ist es der erste, denn das war ja schließlich nur der Prolog gewesen) nun also ziemlich genau ein Jahr später (und übrigens tatsächlich rein zufällig - wallah, ich schwöre!) folgen...

Nun denn, wann bin ich denn eigentlich bandmäßig aktiv geworden? 


So ganz genau kann ich das nicht mehr zurückverfolgen. Ich würde sagen, dass ich so ca. 1984/85 mit meinem Schulfreund F. (Gott hab' ihn selig - ist 2017 gestorben) eine damals schon virtuell zu nennende Band gegründet. Er spielte Bass, ich Gitarre; außerdem hätte ich vermutlich auch gesungen. Wir nannten uns in einem unfassbaren Anfall von Kreativität The Nameless und entwarfen vor allem Cover. Auf der Single (haha!) zu "Rainy days in New York" war King Kong zu sehen, wie er vom Empire State Building runterstrullte. 
Wir hatten noch einen anderen Gitarristen, der für die Soli zuständig sein sollte, weil ich dafür seit jeher immer zu doof und zu faul gewesen bin (hierzu habe ich hier auch schon mal was geschrieben). Den Namen habe ich vergessen bzw. durchforste ich immer noch mein Hirn danach. Der Schlagzeuger war Jan, ein Schüler aus der Stufe über uns (F. war im Jahr zuvor sitzengeblieben und vorher mit ihm in einer Klasse gewesen).

Geprobt haben wir nie, aber F. und ich haben zumindest ein paar Songideen und sogar eine Strophe (mit Text) zu besagtem "Rainy days in New York" gehabt.
Das war es dann auch schon mit The Nameless. Vermutlich haben wir die meiste Zeit eh damit verbracht, Basic-Spiele in F.s Zimmer zu programmieren, u.a. ein spektakuläres Fallschirmspringer-Spiel, bei dem man in den Häuserschluchten von (wahrscheinlich auch) New York landen musste.

Dann hatte ich irgendwann zu dieser Zeit aus irgendwelchen Gründen einen Auftriff in dem Park, der zu unserem Schulhof gehörte. Bei einem Projekt mit drei Synthesizer-Spielern musste ich bei
"Crockett's Theme" von Jan Hammer die Gitarre spielen. Weil ich -siehe oben- wie immer zu faul zum Üben gewesen bin, habe ich mich dabei auch, glaube ich, (mindestens) einmal ziemlich vergriffen, was mir der Kopf des Synthie-Trios sehr übel nahm.
 

Mit Henning, einem der Synthie-Spieler, der seinerzeit in unsere Klasse gekommen war, zog ich daraufhin (oder kurz vorher?) trotzdem die Band Los Caos auf. Mit dabei war noch ein Schlagzeuger, dessen Namen mir gerade entfallen ist (wenn ich nachdenke, komme ich aber bestimmt drauf; ich glaube, er hieß Philipp?). Sonst war, glaube ich, keiner dabei. So richtig oft haben wir auch nicht geprobt, aber irgendwo fliegen hier noch Texte von Los Caos rum. Ich erinnere mich noch an: "Final the glacier's broken / and the bridge is crossed...".

1986 startete dann Suicide At The Seaside, meine erste richtige Band, die es sogar im Laufe der Jahre zu einem gewissen lokalen Star-Ruhm bringen sollte. Musikalisch machten wir Rock. Gerne wären wir so gewesen wie die Bands, die wir seinerzeit hörten: Van Halen, Bon Jovi, Whitesnake und so was. Ich trat sogar wie mein großes Idol David Lee Roth in bunten Spandexhosen auf. Unser Keyboarder Volker hatte anstelle eine Keyboardständers ein Bügelbrett auf der Bühne stehen. Ja, so waren wir drauf!

Ich war der Sänger, zur Gitarre griff ich nur ab und zu mal. Mit unserem Gitarristen Jan, der sehr viel mehr übte als ich, konnte ich eh nicht konkurrieren, aber dankbar muss ich ihm wohl schon ein bisschen sein, denn er hat mir durchaus das eine oder andere gezeigt bzw. habe ich es mir von ihm abgeguckt. 

Am Schlagzeug saß Jens, der im Rückblick eigentlich nicht wirklich Schlagzeug spielen konnte und zudem mindestens vier Jahre älter als der Rest war. Den Bass spielte Frank, der mit Volker und mir in einer Klasse war; Jan war eine Stufe unter uns.

Man mag es kaum glauben, aber wir hatten sogar ein paar Fans, und ich musste auch mal Autogramme auf T-Shirts und Dekolletees geben.

Während ich mich musikalisch aber mit der Zeit in andere Sphären weiterentwickelte und nicht mehr nur diese Gitarrenrock-Schiene weiterfahren wollte, verlor ich nach hinten raus ein bisschen die Lust und spulte mein Pensum im Rückblick nur noch quasi professionell ab. Meine Versuche, etwas mehr Witz in Form von bescheuerten Texten (die vorher waren nämlich nicht nur im Rückblick grauenvoll!) reinzubringen, scheiterte an Jan. Ich erinnere mich da an ein Lied, in dem ich unheimlich witzig über Defloration singen wollte, was er (immerhin ein Jahr jünger als ich) völlig erwachsen abschmetterte. Ich entschärfte daraufhin den Text deutlich, gab dem Stück aber trotzdem den völlig witzigen (hahaha!) Titel "Hail to the Japanese Flag" (kennste? weißte? verstehste?).


Naja, intern gab es irgendwann Querelen, weil unser Keyboarder, nachdem er sitzengeblieben war, in einen anderen Freundeskreis geriet und sich etwas von uns anderen entfremdete, was schließlich zu seinem Rauswurf führte. Dadurch musste ich auf einmal viel mehr Gitarre spielen und einige seiner Keyboard-Passagen auf der Gitarre übernehmen. Ich glaube, wir haben aber nur noch ein Konzert ohne ihn gespielt und uns dann aufgelöst. Das muss so 1991 oder 1992 gewesen sein.

Chaim Bembl, die Band danach, bestand personell aus nahezu denselben Leuten (Jens und Frank), nur der Gitarrist war ein anderer - Björn, der mit Jens in einer Stufe gewesen war und damit auch vier Jahre älter als Frank und ich. Musikalisch war das aber eine ganz andere Baustelle, denn mit dem schnöden Gitarrenrock von vorher hatte das nur am Rande zu tun; es war eher ein Befreiungsschlag von dem seichten Zeug zuvor, so Psychopunkhardcoreirgendwas. 


Ich war immer noch der Sänger, aber ich spielte jetzt deutlich mehr Gitarre und das dann manchmal auch etwas weniger rockig, sondern eher effektbeladen kaputt. Auch konnte ich endlich ohne Widerrede die geschmacklosen Texte machen, die mir seinerzeit durch meinen immer noch arg unreifen Kopf schwirrten, und ich wollte alles auch deutlich wirrer machen. Wirr wurde es dann auch, mitunter sehr.  Leider waren wir aber zu schlecht, dass wir auch gut wirr sein konnten.

Etwa zeitgleich bzw. möglicherweise ein bisschen vorher fing ich dann mit Solosachen an, die ebenfalls sehr wirr waren. Ich hatte mir einen 4-Spur-Recorder gekauft und war plötzlich Dus Diva and his divine dingleberries, denn Dus Diva war auch mein "Künstlername" bei Chaim Bembl. Wir hatten da alle Künstlernamen, und der Witz bei unserem Bassisten war, dass er immer einen anderen Namen hatte; so hieß er mal Sam Francisco und dann z.B. wegen seiner roten Haare Red At Hair usw. Dus Diva hat seinen Ursprung in der  Tatsache, dass ich eine ganz schöne Diva sein konnte. DIE Diva ging natürlich nicht, weil ich ja schließlich keine Frau bin; DER Diva war auch irgendwie bescheuert; DAS Diva war eigentlich gut, aber zu wenig subtil - also DUS Diva. :D

[Im Herbst 2018 habe ich übrigens tatsächlich einige Sachen von Dus Diva auf den Rechner gezogen und neu abgemischt. Zuvor hatte ich meinen 8-Spur-Recorder repariert. Hat sehr viel Spaß gemacht und ist hier zu hören; ein paar Sachen werde ich sicherlich noch remixen, aber alles muss definitiv nicht sein. Die ganz alten Sachen kann ich z.B. gar nicht mehr remixen, weil die ja noch auf vier Spuren aufgenommen worden waren und ich weder einen 4-Spur-Recorder noch die Original-Tapes habe (wobei mich letzteres fast wundern würde, denn eigentlich schmeiße ich nie was weg).] 

Ich "gründete" seinerzeit nicht nur Dus Diva and his divine dingleberries, sondern nahm zudem noch andere Bands auf, z.B. Brachialdünst, eine Grindcore-Band mit dem noch blutjungen Christof Kather (Japanische Kampfhörspiele) am Schlagzeug, mit dem ich zunehmend mehr Zeit verbrachte, was schnell deutliche Spuren hinterließ und bis heute hinterlassen hat. 

[Eine der Aufnahmen, die etwas später entstanden, als ich auf 8 Spuren upgegradet hatte, muss ich auch noch mal remixen. Dabei handelt es sich um das Tape von Painted Shell, der Band meines heutigen DER_WARRIOR-Gitarrenkollegen Luko. Als ich die ganzen alten 8-Spur-Tapes durchhörte, war ich immer noch baff, wie geil das Tape klingt!]

Das Ende von Chaim Bembl war für mich etwas unrühmlich. Ich hatte mich in eine fatale Beziehung gestürzt, meine Freundin fand die anderen Bandmitglieder doof, weswegen ich diese dann natürlich auch doof finden musste. Wegen einer Kleinigkeit habe ich mich dann damals kolossal aufgeregt und bin mit lautem Getöse ausgestiegen. Auf das Cover meines nächsten Solotapes packte ich sogar ein unvorteilhaftes Nacktbild von Frank, mit dem ich jahrelang wirklich sehr gut befreundet gewesen war und den ich so ziemlich übel abservierte. Dumme Sache, aber ich habe sie irgendwann so gut geklärt, wie es dann noch ging.

Egal.

Fun fact: Chaim Bembl brachten erstaunlicherweise (schließlich hatte ich mich für das Mastermind der Band gehalten) danach noch ein Tape ohne mich raus. Es hieß "10 kleine Negerlein", und auf dem Cover waren vier Schokoküsse abgebildet, von dem einer plattgehauen war. Fand/finde ich durchaus lustig.


[Die 8-Spur-Tapes von Chaim Bembl existieren auch noch, aber ich kann mir nicht vorstellen, dass ich die jemals neu abmischen werde. God forbid! ;)]

Ich suchte mir im Anschluss in Köln was Neues, kam dabei aber nicht so richtig in die Hufe, was wohl auch damit zu tun hatte, dass ich mir als Gitarristen einfach nix zutraute und Sänger irgendwie nicht mehr sein wollte. "Parallel" machte ich also nur noch solo weiter.

Irgendwann fand mich dann doch eine Band - Down hieß sie (von den anderen Down aus New Orleans hatte man bis dato noch nix gehört). Ich hatte den Schlagzeuger an der Uni kennengelernt, und er meinte, ich solle mal bei der Probe vorbeikommen. Ich glaube, er fand seinen Gitarristen scheiße und erhoffte sich von meinem Einstieg, dass ich da ein bisschen mehr Pep reinbringe. Habe ich, glaube ich, sogar gemacht. Aber lange bin ich nicht dabei geblieben, denn ich bekam das einfach zu verlockende Angebot, bei Cyclo Proganigma einzusteigen.

Das war Christofs letzte Band vor Japanische Kampfhörspiele, und als Bassist war Marco Bachmann dabei, der ja später ebenfalls zu JaKa stoßen sollte. Mit dem Gitarristen Carsten Benninghoff (mittlerweile mit der produktionstechnischen Seite von JaKa betraut ist) hatte mich seit jeher eine Hassliebe verbunden, aber er traute mir offenbar zu, das aus seiner Sicht sinkende Cyclo-Schiff zu retten. Ich fing dort als Keyboarder an, und singen durfte ich auch ein bisschen, außerdem fuhr ich Samples ab.
Leider hatte Carsten sein Rechnung ohne Christof und mich gemacht, denn wir waren von Beginn an ein bisschen wie die toxic twins damit beschäftigt, fortwährend Scheiße zu bauen, so dass er bald entnervt aufgab.

Es kam ein neuer Gitarrist, der auf der Heckscheibe seines tiefergelegten Polos einen fetten Metallica-Aufkleber kleben hatte, was wohl der Grund gewesen ist, warum ich ihm nie eine Chance gab und mich zudem weigerte, mir seinen Namen zu merken (Asperg? Asbach?). Inmitten der Aufnahmen zu einem Tape hatten wir ein Konzert, bei dem Christof und ich uns der Presse gegenüber abfällig gegenüber unseren anderen Bandmitgliedern äußerten (so nach dem Motto "Demnächst spielen wir nur noch mit ernstzunehmenden Musikern..."). Bei dem Konzert selbst stellte ich den Gitarristen in einem spontan improvisierten Reggaeteil vor versammelter Mannschaft bloß. War es da nach Erscheinen des Konzertberichts in der örtlichen Tageszeitung ein Wunder, dass er ausstieg und das Tape daher unvollendet blieb? Schade eigentlich, wäre nämlich ganz cool geworden. Den einzigen fertiggestellten Song "When Rio dies" mische ich eines Tages bestimmt mal neu ab...

Das war es dann für lange Zeit mit meiner Bandkarriere. Ich
machte mich 1995 für eine Weile nach Wales auf, wo ich das letzte Dus Diva-Tape (bzw. große Teile davon) aufnahm. Danach war erst mal finito mit Bands, was wirklich im Rückblick unmittelbar damit zu tun hatte, dass ich mich als Bandgitarrist einfach für nicht vermittelbar hielt. Bei meinen eigenen Aufnahmen konnte ich immer gut tricksen und Sachen, die ein normaler Gitarrist an einem Stück aufgenommen hätte, in mehreren Durchgängen einspielen und zusammenstückeln; aber so richtig mit/in einer Band? Never!

Bzw. laaaaange nicht und dann auch nur mehr oder minder zufällig und erst gar nicht mal soooo ernst gemeint...

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