23 September 2018

Ambient

Ich mache gerade eine interessante musikalische Phase durch. Eigentlich war es ja schon lange (gefühlt: fast immer!) so, dass mir nicht genug passieren konnte. Dies verleitete in einem lange vergessenen Forum dieses Internets einige meiner zahlreichen Tipps mit "hört sich an, als hätte man drei MySpace-Seiten gleichzeitig geöffnet" kommentiert wurden. Und tatsächlich hatte ich, nachdem ich letztens mal wieder meine alten daghoti.-Sachen angehört habe, auch bei meinen eigenen Sachen das Gefühl, dass ich dieses "Stilmittel" offenbar sehr gerne habe. 

Aktuell geht es jedoch in eine ganz andere Richtung, denn sehr gerne kann mittlerweile auch mal eigentlich gar nix passieren, denn ich habe eine gewisse Vorliebe für Ambient-Musik entwickelt. Dieses ganze Elektronikzeugs in der Richtung interessiert mich jedoch rein gar nicht, wohl aber die organischeren Vertreter dieser Gattung.
Als erstes zu nennen wäre da Black To Comm alias Marc Richter. Sein Album "Alphabet 1968" hatte ich schon lange und fand es eigentlich auch immer irgendwie toll, aber so richtig eingeschlagen ist es dann erst irgendwann letztes Jahr im Sommer, als ich es rauf und runter hörte und mich an den mit field recordings bestückten soundtrackartigen Klängen zu erfreuen. Nach eingehender Recherche fand ich von ihm auch deutlich elektronischere Alben, die mir weniger zusagten, aber mit "Rückwärts Backwards" und dem großartigen "Earth" auch mehr oder minder vergleichbare. Absoluter Wahnsinn, völlig geil!


Wenn man sich mit "Ambient" beschäftigt, landet man dann selbstverständlich auch beim vermeintlichen Erfinder dieses Genre - Brian Eno. Dieser hatte mich ja schon mit seiner Mitwirkung bei den ersten beiden Roxy Music-Alben beglückt. Auch seine Zusammenarbeit mit Hans-Joachim Roedelius, einem anderen Fave aus der Ambient-Umgebung, hat mich sehr begeistert, und irgendwann hatte ich mir sein Album "Another Green World" zugelegt, das mich durchaus auch aus den Socken haute. Sein "Ambient 1: Music for Airports" fand ich allerdings nicht so prall, wohl aber "Ambient 4: On Land". Hier stehen vielleicht noch Entdeckungen aus.


Ja, Roedelius! Auf seinem Boxset "Tape Archive 1973-1978" gibt es ein Stück, das eigentlich nur aus einem Drone-Ton besteht. Darüber hätte ich früher bestimmt gelacht, heute finde ich es fantastisch, und auch sonst sind die hier vertretenen oftmals rechts skizzenhaftigen Stücke einfach nur wow!


Um in Deutschland zu bleiben: Unlängst brachte Grönland die beiden Alben, die Holger Czukay mit David Sylvian aufgenommen hat, neu heraus. Hier gibt es insgesamt vier Stücke (auf je einer Schallplattenseite) zu hören, die mich einfach sprachlos zurücklassen.


Wie schade, dass ich nie den Mut hätte, derartiges selbst einmal aufzunehmen. Ich weiß noch, wie sehr ich immer damit gehadert habe, mal einen Part laaaange laufen zu lassen. Irgendwie musste es bei meinen eigenen Sachen immer voran-, immer weitergehen, Monotonie wollte ich nie aufkommen lassen. Vielleicht ist jetzt mal der Zeitpunkt gekommen, wo ich es einfach mal wagen kann.


Was mir gerade auch vorschwebt: in der ganzen Wohnung Lautsprecher verteilen und Ambient-Musik leise im Hintergrund als Rauminstallation, als Möbelstück laufen lassen - 24/7. Ich wäre ein ruhigerer Mensch, vielleicht ein besserer...

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