18 Februar 2018

Relativ alt

Vorgestern auf dem Weg von der Arbeit nach Hause ging vor mir ein Teenagermädchen über die Straße. Sie trug einen Guns N'Roses-Rucksack. 
Nein, ich rege mich jetzt nicht drüber auf, dass H&M so was verkauft und Jugendliche heute mit Shirts von Ramones, Rolling Stones, Pink Floyd oder sogar Slayer und The Exploited rumlaufen, ohne überhaupt zu wissen, dass das Bands sind. Mir ging da was ganz anderes durch den Kopf...

Das Album "Appetite for destruction" ist vergangenes Jahr 30 Jahre alt geworden. 
"Krass - 2017 bis 1987: 30 Jahre! ", dachte ich. 
Dann rechnete ich spaßeshalber mal 30 Jahre von 1987 zurück: 1957! Was, 1957?!?

Geht es nur mir so, dass die ja eigentlich gleichlange Spanne 1957-1987 viel gewaltiger zu sein scheint als die von 1987 bis 2017? Ich meine auch, dass 1987 jemand, der auf ein 30 Jahre altes Album zurückblickt, doch schon steinalt war!?!

Labels: , , , ,

04 Februar 2018

Mit Helene Fischer auf einer Lavawelle surfen

Wenn mein großer Sohn (demnächst 17) morgens in die Dusche geht, weiß ich schon, dass gleich das Geplärre wieder losgeht. Letztes Jahr oder so hat er sich zum Geburtstag ein Duschradio schenken lassen. Wenn ich durch die geschlossene Badezimmertür höre, was da rauskommt, denke ich mir immer, dass man Musik sehr hassen muss, um sich so etwas gefallen zu lassen. Verstärkt wird dieser Eindruck noch von der Tatsache, dass als Sender meist Einslive eingestellt ist.

In diesen Momenten sinniere ich dann darüber, woran es liegt, dass mein Sohn sich im Prinzip überhaupt nicht für Musik interessiert. Als Pädagoge weiß ich natürlich, dass der Grund schlichtweg die Abgrenzung vom Papa ist, den er zeit seines Lebens immer Musik hörend erlebt hat.

Und dann sehe ich mich um (z.B. in meinem Berufsumfeld Schule) und stelle fest, wie schwer es für die Jugend von heute ist, sich überhaupt noch von ihren Eltern abzugrenzen. Was soll der halbwüchsige Kevin denn machen, wenn der in eine Jogginghose gehüllte Papa stolz seine neue Tätowierung präsentiert, während Mama mit der durchlöcherten Jeans sich darüber aufregt, dass
sich ihr Nasenpiercing schon wieder entzündet hat? Schlimm das...

Die Gegenbewegung sieht ja dann ja eher so aus, dass man als Jugendlicher total ordentlich und straight wird. Die Ergebnisse der Befragungen von Studenten zu ihrer politischen Einstellung vor ein paar Jahren waren für mich alles andere als überraschend, denn was will man von Leuten erwarten, die ein völlig verschultes Studium durchziehen müssen, nur unbezahlte Praktika angeboten bekommen und später nicht mal eine Aussicht auf einen unbefristeten Arbeitsplatz haben? 

Letztens auch in der Zeit einen interessanten Artikel gelesen, dass der studierte Nachwuchs oft gar keine Chance hat, auch nur annähernd den Status zu erreichen, den sich ihre nicht-akademischen Eltern erarbeiten konnten, weil die Zinsen damals zwar noch wesentlich höher, aber die Immobilien halt deutlich preiswerter und vor allem ihre Jobs sicher waren, weswegen sie von der Bank überhaupt nur Geld bekommen konnten. Während man früher von seinem eigenen Auto und der damit verbundenen Freiheit träumte, fühlt man sich heute ohne Auto -okay, das jetzt durchaus gar nicht mal so zu Unrecht- natürlich viel freier und vergleicht stattdessen die Car-Sharing-Preise. Da wundere ich mich dann auch nicht, wenn beim sommerlichen Grillen vor der Tür des Studentenwohnheims nebenan laut Helene Fischer und Konsorten laufen und die jungen Leute das völlig ironiebefreit abfeiern. Da muss ich dann ein bisschen an JaKa denken: "Ich höre Hardcore, wechsle zu Arcor." Auch wenn es Arcor gar nicht mehr gibt (oder?), passt das eigentlich wie die Faust aufs Auge.

 
Nicht nur deshalb wird es endlich Zeit, dass der Vulkane unter dem Yellowstone Nationalpark endlich ausbricht und die Phlegräischen Felder einstürzen, damit die ganze Lava raus und die Welt neu aunfangen kann.

Schönen Sonntag noch...

Labels:

Mein Foto
Name:
Standort: Ehrenfeld, Germany

Why don't we do it in the road?