26 September 2013

Musik von David Lynch

Dass David Lynch musik-affin ist, wusste ich bereits von diversen Soundtracks und natürlich den Julee Cruise-Alben. Als dann aber irgendwann das Video von "Good Day Today" im Netz auftauchte, war ich dennoch überrascht und nach dem ersten Klick auch erst einmal nicht sonderlich angetan. Irgendwie klang das für mich zunächst so, als hätte ein mäßig begabter Produzent einen nervigen Electro-Song zusammengebastelt und Lynchs ohnehin merkwürdige Stimme mit diversen Effekten noch merkwürdiger gemacht. Bevor ich jedoch "Braucht kein Mensch!" sagen konnte, war es bereits um mich geschehen, denn ebenso merkwürdig war der Umstand, dass ich das doch gar nicht so übel fand, weil es ganz einfach konsequent nach David Lynch klang. Im Prinzip hörte sich dieses Lied nämlich schlicht und einfach genauso an, wie man sich Musik von David Lynch vorgestellt hätte, und obwohl ich mir darüber eigentlich vorab gar keine Gedanken gemacht hatte, war dies eine mitnichten enttäuschende Erkenntnis, sondern gab seinen musikalischen Bemühungen einen irgendwie authentischen Anstrich und machte sie zugleich viel besser, als man angesichts dieser Aussage meinen sollte. Ich fragte mich sogar, ob ich mich gerne von ihm hätte überraschen lassen wollen oder ob es nicht überraschend genug war, dass er tatsächlich einfach nur David Lynch-Musik macht und damit auch noch durchkommt.
Bei dem zweiten Song "I know", der kurz darauf ins Netz gespeist wurde, zeigte sich dieses Phänomen eigentlich noch deutlicher, denn das schleppende Tempo und die Gitarre mit dem Tremolo-Effekt versetzte mich sofort ins Roadhouse nach Twin Peaks, und wieder war es erstaunlich, dass ich das nicht als einfallslos abtun konnte. So vermeintlich lahm diese Stilistik, so vermeintlich vorhersehbar die damit geschaffene Atmosphäre auch war, so perfekt funktionierte sie nämlich auch. 


Sein erstes Album Crazy Clown Time finde ich auf jeden Fall auch nach knapp zwei Jahren immer noch von vorne bis hinten absolut gelungen - da möchte ich wirklich kein Stück missen. Das alte Roadhouse liegt seitdem im Bristol der frühen 90er, und gespielt wird dort vor allem Americana Trip Hop, während auf der Leinwand Szenen aus Blue Velvet, Twin Peaks und auch schon mal Rabbit und Dumbland laufen. David Lynch macht seitdem nicht mehr nur kaputte Filme und Serien, malt und fotografiert nicht nur kaputte Bilder und zeichnet auch nicht nur kaputte Comics, er modelliert nicht mehr nur kaputte Installationen, sondern macht eben auch kaputte Musik, bei der man sich einerseits fragt, wer sich das eigentlich anhören soll/will, sich andererseits aber dabei ertappt, wie man die Platte wieder von vorne abspielt.

Als in diesem Jahr (und damit nur anderthalb Jahre später) sein zweites Album The Big Dream herauskam, schrie ich trotzdem nicht "Hurra!" und hatte auch gar nicht vor, es mir überhaupt zuzulegen. Das braucht ja wohl wirklich kein Mensch, dachte ich. Er hätte es besser bei diesem einen Versuch belassen sollen, weil Crazy Clown Time dadurch bestimmt nicht cooler wird, dachte ich. Und tatsächlich klingt The Big Dream auch exakt so wie sein Debüt.

Und - ist
Crazy Clown Time dadurch uncooler geworden? Braucht man The Big Dream (auch)?

No way - seit Tagen höre ich nichts anderes als immer nur
Crazy Clown Time und The Big Dream! Die beiden Platten sind zu einer geworden. Und auch wenn ich anfangs mal kurz dachte, dass die neuen Songs sogar einen Tick besser sind, erheben sie sich nicht über die alten, sondern vereinen sich mit ihnen.

Wer die Platten noch nicht kennt oder sie nach dem ersten Anhören nicht so spektakulär fand wie vielleicht erhofft, sollte sich m.E. noch einmal mit ihnen beschäftigen. Ob ein drittes Album angebracht ist, vermag ich jetzt noch nicht zu sagen. Dass das noch einmal funktioniert, glaube ich kaum, aber da hat mir ja
The Big Dream schon mal einen Strich durch die Rechnung gemacht.
 

Musik cool (sagte ich ja bereits), Texte super (die soll sich mal lieber jeder selbst angucken), Lynch-Atmosphäre in akustischer Vollendung. Besser konnte man das nicht hinkriegen. Ich bin nun auch Fan vom Musiker David Lynch.

Nachtrag: Auf der Deluxe-Version von The Big Dream gibt es eine CD mit den Instrumentalversionen. Ich finde Lynchs Stimme zwar total passend für diese Musik, aber instrumental funktioniert das Album definitiv auch sehr gut!

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