18 November 2012

Larks' Tongues in Aspic von der Lieblingsband

Ja, ich habe es (natürlich) getan!

Zunächst mal war ich froh gewesen, dass endlich auch Larks' Tongues in Aspic im Rahmen der 40th anniversary-Reihe neu aufpoliert worden war, denn ich hatte schon eine ganze Weile darauf gewartet. Als die verschiedenen Formate angekündigt wurde, lächelte ich überheblich über diese Box mit den 13 CDs und 2 DVDs, wo alle Liveaufahmen der Fünferbesetzung, die auch das Album eingespielt hat, versammelt sind - man kann es auch übertreiben!
Ich hätte es allerdings vorher besser wissen müssen, denn bereits bei In the Court of the Crimson King hatte ich erst leichtfertig zur 1CD/1DVD-Box gegriffen, nur um diese eine Woche später wieder zu verkaufen und mir doch die große Box ins Haus zu holen. Naja, selbstverständlich reifte nach einer Woche hochkonzentrierten Hörens von Larks' Tongues in Aspic der Entschluss, es auch dieses Mal wieder so zu handhaben, denn dass dieses King Crimson-Team einfach das allertollste gewesen war, ist ja insgeheim irgendwie schon immer Fakt gewesen, oder!?

Jetzt steht sie also hier im Regal. Der Großteil des Live-Materials ist auf jeden Fall nur was für echte Fans, denn rein soundtechnisch sind viele davon ziemlich unterirdisch; am "besten" ist wirklich das großzügige Download-Add-on Rainbow Theatre, London, December 13, 1972, brahaha! 


Spaß beiseite, aber um ganz ehrlich zu sein, ist neben der Beat Club Bremen-Aufnahme eigentlich nur noch Guildford Civic Hall, November 13, 1972 zu ertragen. Letztere gab es ja bereits separat, und ich hatte auch schon mal in Erwägung gezogen, mir diese CD zuzulegen, nachdem ich bereits viel Gutes über sie gehört hatte. Leider ist diese Show alles andere als vollständig, und man muss sich wirklich fragen, ob es sinnvoll und nett ist, dem gemeinen Fan mit knapp drei Minuten Exiles und nicht mal einer Minute der Improvisation A Deniable Bloodline den Mund wässrig zu machen. Spätestens nach dem zehnten Hören wird nämlich auf schmerzhafte Art und Weise klar, dass man den Rest NIEMALS hören wird! Zumindest bei mir persönlich hat dieser Umstand einige hochphilosophische Überlegungen zum Thema Zeit und deren Vergänglichkeit zur Folge gehabt...


Sei's drum, es ist dennoch schön, dass Robert Fripp die Aufnahmen der Quintett-Besetzung zusammengestellt und so Jamie Muir gewürdigt hat, der ja leider kurz danach ausgestiegen ist, um Vollzeit-Buddhist zu werden. Wenn man sich den Beat Club ansieht, kann man auf jeden Fall schnell erkennen, warum sein Einfluss auf die neuen King Crimson im Allgemeinen und Bill Bruford im Besonderen so groß gewesen ist.

Herzstück der Box ist für mich neben dem wirklich fantastisch gut klingenden neuen Mix des Albums, dem Beat Club-Video und dem Guildford-Konzert die CD mit der Nummer 10: Session Reels mit dem knapp 80-minütigen Track Keep that one, Nick. Wenn man sich diesen Studioimpressionen inklusive Anweisungen, Gespräche, Soundchecks, angespielte Songs u.a. unter einem Kopfhörer widmet, ist man zeitweise wirklich dabei, wenn King Crimson ihr fünftes Album aufnehmen. Tolle Idee, sehr guter Sound! Es wäre nur schön gewesen, wenn man da mehr als nur diesen einen Track indiziert hätte, aber naja, geht auch so (und ich bin selbstverständlich bereits dabei, die einzelnen Episoden einzeln anklickbar zu machen).

Seit Erscheinen von Larks' Tongues in Aspic (40th anniversary) bin ich auf jeden Fall wieder mal im King Crimson-Fieber, wobei ich mich derzeit ausschließlich mit den Jahren 1972-74 beschäftige, denn erst hier fängt die Band für mich wirklich an. Die Alben davor möchte ich daher einfach mal zu Gehversuchen und Entdeckungsreisen degradieren, ohne damit gleichwohl andeuten zu wollen, dass diese Phase nicht auch toll war. Wenn man sich aber die späten King Crimson anhört, weiß man sehr schnell, wo die Initialzündung stattgefunden hat, und das war sicherlich nicht in den Jahren 1969-71!
Bei der Reise in die Vergangenheit ging mir auch auf, dass man im Prinzip die 80er-Phase ebenfalls gesondert betrachten müsste, denn auch sie hat nur wenig bis kaum etwas mit 1972-74 und 1994-heute zu tun. Wenn man weiß, dass die 80er-Band auch erst gar nicht King Crimson, sondern Discipline heißen sollte, wird dies für mich noch einmal deutlicher. Erst ab Vroom besann man sich wieder auf das, was man mit Larks' Tongues in Aspic, Starless and Bible Black und Red begonnen hatte.

Zuletzt rotierten hier die Liveboxen The Night Watch (1973) und The Great Deceiver (1973/74) sowie das Album USA (1974). Wenn ich das höre, wird es mir derzeit sehr warm ums Herz, und ich möchte am liebsten nie wieder was anderes hören! Gottseidank klingen diese Aufnahmen wesentlich besser (zum Teil nahezu perfekt!) als die aus der neuen Box; da kann man dann auch schon mal drüber hinwegsehen, dass Jamie Muir hier bereits Geschichte war.

Ich habe meiner Verehrung für King Crimson hier bereits schon einmal Luft gemacht und dort noch gesagt, dass ich eigentlich gar keine King Crimson-Lieblingsphase hätte. Das habe ich jetzt hiermit wohl berichtigt, denke ich.
Gibt es eigentliche irgendeine andere Band, die so lange existiert (hat) und dabei nie auch nur ansatzweise peinlich (wenn man mal von Adrian Belews und Bill Brufords farblich etwas gewagten Anzügen zu Beginn der 80er absieht), sondern immer relevant, eigenständig und großartig gewesen ist?


Methinks not!

Nuff sed.

n.p.: King Crimson - Playlist Live-Improvisationen (mehr als sechs Stunden, haaaaach...)

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