27 November 2011

Lieblingsband re-visited

Das Thema "Lieblingsband" hat hier ja schon mal stattgefunden (und wurde auch näher ausgeführt). Man wird ja doch schon mal ab und an nach seiner Lieblingsband gefragt, und zumindest mir geht es dann so, dass ich dabei -wie gesagt- einen mittleren Schweißausbruch kriege, denn wie zur Hölle soll ich das denn "jetzt" entscheiden?!? Ich komme ins Stottern und haue dann so Sprüche wie "Alter, ich habe mehrere tausend Tonträger - die sind ja nun nicht alle von demselben Interpreten!" raus, die dann schnell etwas angeberisch klingen, aber im Grunde nur meiner Verzweiflung Audruck verleihen, dass ich jetzt keiner Band Unrecht tun möchte. 
Vielleicht sollte ich mir also mal langsam Gedanken darüber machen, wer eigentlich meine Lieblingsband ist, damit ich demnächst ganz leger einen Namen raushauen kann, den ich dann im Anschluss nicht noch relativieren muss.

So langsam kristallisiert sich da für mich nun auch immer eindeutiger eine Band raus, die bereits bei meinem ersten Rumeiern hier im Blog genannt wurde. In der Tat erwähnte ich dort auch schon, warum es eigentlich diese Band sein muss, denn zum einen sind sie schon ewig dabei, und zum anderen haben sie (wie ich mich seinerzeit ausdückte) "keine Graupen" in ihrer Diskographie. Hinzu kommt, dass ich sie schon lange genug höre. Von daher tut es (heute!) eigentlich auch überhaupt gar nicht weh, wenn ich sage: King Crimson, wer denn eigentlich sonst!?!

Puh, beim letzten Mal, als ich The Mars Volta nannte, ist es mir wirklich schwerer gefallen. Ich weiß wohl, warum das so war, aber jetzt bei King Crimson ist es einfacher und eindeutiger (was nicht heißt, dass ich The Mars Volta heute weniger gut finde).
Jetzt möchte ich aber auch nur noch über King Crimson reden, denn es ist schon so, dass diese Band und ich auf irgendwie besondere Weise zusammengekommen sind und es mich durchaus ein paar Jahre gekostet hat, mich gänzlich und komplett mit ihnen anzufreunden. Es ist außerdem so, dass sie als Band einfach eine faszinierende Entwicklung durchgemacht haben und ich mir schon alleine aus dem Grund kaum eine bessere Lieblingsband für mich vorstellen kann.
Nun denn, es begab sich aber zu einer Zeit... Tja, wann war das eigentlich? Es muss ziemlich genau Ende der 80er gewesen sein, als ich mir die Discipline blind kaufte, weil sie draußen auf der Straße im Billigregal von Musik Behrens lag, das Cover gut aussah und ich zudem in den Jahren zuvor ständig über den Bandnamen gestolpert war. Warum ich das noch weiß? Naja, es war eine meine ersten CDs, und einen CD-Player hatte ich ab 1989.
Was ich hörte, gefiel mir bestens, und so kaufte ich mir in den Folgejahren auch die anderen Alben dieser Phase, namentlich Beat und Three of a Perfect Pair, die ich zwar nicht mehr ganz so toll, aber durchaus immer noch gut fand. Als ich dann 1991 im Zweitausendeins-Katalog die neu erschienene 4CD-Box Frame by Frame sah, war die Zeit gekommen, und für einen für mich damals durchaus hohen Preis schlug ich zu.
Als die Box kam, war ich vor allem von dem beiliegenden Stammbaum begeistert, denn was für Querverbindungen es da gab, machte nun plausibel, warum der Name damals ständig aufgetaucht war - wow, das war genau was für mich! 
Das umfangreiche Booklet las sich für mich auch wie ein Roman, und dass Curt Smith von Tears For Fears auf dem Bild des ersten Konzerts der Discipline-Besetzung (die sich zu diesem Zeitpunkt auch noch Discipline nannte) in der ersten Reihe stand, war mal wieder einer der vielen Momente, bei denen sich geradezu wahnwitzige Relationen zwischen vermeintlich völlig weit voneinander entfernten Musikern offenbarten. 
Es hätte alles so schön sein können, doch dann kam die Musik: Was zur Hölle war das? Und was hatte das mit Discipline zu tun?!?
Keine Ahnung, warum mir das Offensichtliche nicht vorab klar gewesen war, aber dass sich die Musik von 1969 grundlegend vom Sound der 80er unterscheiden musste, hätte ich mir doch eigentlich denken können. Naja, ich wusste auf jeden Fall damals nicht so genau, was ich davon halten sollte - manches fand ich gut, manches verstand ich nicht.

Dann kamen King Crimson 1994 mit der EP VROOOM und wenig später mit dem Album Thrak zurück - plötzlich war alles (wieder) gut! Zwar hatte auch das im Prinzip gar nichts mehr mit Discipline zu tun, aber die Musik gefiel mir von vorne bis hinten.
Was nun passierte, kann ich im Rückblick nur unzureichend erklären. In den Folgejahren kaufte ich mir zwar Livealben und -DVDs, aber den drei Studioveröffentlichungen von 2000, 2002 und 2003 widmete ich mich so gut wie gar nicht. Ich glaube, The ConstruKction of Light habe ich seinerzeit sogar komplett ausgelassen, während ich Happy With What You Have To Be Happy With und The power to believe wenigstens mal angehört habe. Fand ich auch überhaupt nicht schlecht, die Livesachen waren ebenfalls super, aber irgendwie fühlte ich mich wohl ausreichend versorgt. Ein bisschen abschreckend war zudem, dass in dieser Phase ein regelrechter Veröffentlichungs-Overkill bei KingCrimson einsetzte, weil nun auch noch die ganzen ProjeKcts-Alben rauskamen. Wann sollte ich das denn alles hören?

2009 ging es dann mit diesen 40th anniversary-Dingern los, für die Steve Wilson von Porcupine Tree zusammen mit Robert Fripp auf Grundlage der Originalbänder neue Mischungen (u.a. sogar in 5.1) angefertigt hatte und nun zusammen mit Bonuszeugs unter die Leute brachte. Eigentlich ist sowas oft Nepp, zumal es in den Jahren zuvor ja auch schon mal Remasters gegeben hatte. Nichtsdestotrotz waren diese Veröffentlichungen für mich Anlass genug, mich endlich mal etwas näher mit den Alben vor 1981 zu beschäftigen.
Ich hatte sie natürlich längst alle als CD-Rs hier gehabt; Red hatte ich schon zur Jahrtausendwende aufgeholt, und die Platte war sogar zu einem meiner absoluten Lieblingsalben geworden; auch das Debüt fand ich zu diesem Zeitpunkt bereits großartig; in die meisten anderen Alben hatte ich mich auch schon mal reingehört; es war mir also durchaus bewusst, dass möglicherweise noch einiges für mich gehen könnte.
Und so war es dann auch - die Zeit war einfach reif, und von daher schlugen die Re-Issues voll ein, so dass ich mir auch schnell die ganzen Livealben aus den 70ern nachkaufte, die wirklich allesamt einfach nur WOW! waren/sind. Plötzlich war mir klar, dass diese Band einfach in all ihren Phasen außerordentlich besondere Musik produziert hatte und ich  nicht mal eine Lieblingsphase hatte/habe. Und nun konnte ich so langsam auch wirklich sicher sagen, dass die erste Antwort auf die Frage nach meiner Lieblingsband fortan King Crimson lauten musste
Warum es so lange gedauert hatte, vermag ich heute gar nicht so recht zu sagen, denn schließlich hatten mir die Fakten in Form der Frame by Frame-Box ja schon seit mehr als einem Jahrzehnt vorgelegen, und ich hatte die CDs aus der Box in dieser Zeit auch immer wieder gehört, aber irgendwie war die Musik nie ganz bei mir angekommen. Die Faszination war zwar irgendwie schon immer da gewesen, würde ich sagen, aber sie hatte (mit Ausnahme von Red und In the Court of the Crimson King) nie in den Wunsch gemündet, mich der Musik mal etwas näher zu widmen. Ein Grund dafür könnte vielleicht gewesen sein, dass ich einfach seit jeher ein Albumhörer bin und diese Häppchen einfach gar nicht richtig wirken konnten.

Jetzt also Vorhang auf zum letzten Akt: in den vergangenen Tagen habe ich damit begonnen, die Studioaufnahmen von 2000-2003 nachzuholen. Dabei habe ich festgestellt, dass ich all die Sachen irgendwie sehr wohl schon kannte, was natürlich daran liegt, dass ich die Live-DVDs aus dieser Zeit schon längst hier hatte. Ich kann mir auch gerade absolut gar nicht erklären, warum ich die Platten so verschmäht habe, denn selbstverständlich ist auch das alles total super! Und als nächstes kommen die ProjeKcts dran, so viel steht mal fest...

n.p.: King Crimson - The power to believe (unverzeihlich eigentlich...)

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Top of the Blogs

Ich wurde unlängst von jemandem auf den Jahresrückblick der deutschsprachigen Musik-Blogs bei Top of the Blogs hingewiesen. Und jemand anderes legte mir letztens nahe, doch einen eigenen Musik-Blog aufzumachen, wo ich über die Bands/Platten rede, die ich woanders nicht unterbringen kann. In beiden Fällen fiel es mir wie Schuppen von den Augen: ICH HABE JA TATSÄCHLICH EINEN MUSIK-BLOG (übrigens: wie man sieht, präferiere ich "der Blog" - "das Blog" hört sich für mich total bescheuert an, siehe auch "der/das Laptop"; offenbar bin ich eher so der maskuline Typ...)! 
Ich weiß nicht, ob es Angst vor der eigenen Courage, fehlende Zeit oder schlichtweg die Gewissheit ist, dass das hier eh niemanden interessiert, aber auf jeden Fall habe ich bislang nie mit dem Gedanken gespielt, die Nummer hier ernsthafter zu betreiben. Und wenn ich jetzt mit Selbstreflexion anfangen würde, könnte ich auch gleich oben rechts auf das X drücken. 
Bitte nicht falsch verstehen - das ist kein fishing for compliments und kein Mimimimi; es ist einfach so, dass mir beide Hinweise offenbar so sehr zu Herzen gegangen sind, dass ich mich nun tatsächlich bemüßigt fühle, beim diesjährigen Top of the Blogs mitzumachen. YEAH! Da ich ja eh die eine oder andere Liste generieren werde, kann ich sie ja auch gleich dorthin schicken. JAWOLL!
Und in die Vorsätze für 2012 kommt dann neben "Mehr Sport machen" vielleicht auch "Blog größer aufziehen" - who knows?

n.p.: King Crimson -  The ConstruKction Of Light (ab jetzt wird das letzte KC-Jahrzehnt nachgeholt)
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