25 September 2011

Urlaub in Polen RIP

Tjaja, jetzt hat es die beiden dahingerafft - mit Erscheinen ihres fünften Albums Boldstriker hauen sie in den Sack, um fortan ihre anderen Bands KEN (Gitarrist/Sänger Georg Brenner) und Van Spar (Drummer Jan Philipp Janzen) zu beglücken. Brenner kündigt zudem etwas Akustisches an und denkt, dass Janzen und er irgendwann sicherlich auch noch mal aufeinandertreffen werden, wenn auch vielleicht nicht unter dem Banner Urlaub in Polen.
"Was hat Euch bloß so ruiniert?", will man den beiden zurufen, und zumindest für mich liegt die Sache auf der Hand. Es reicht nämlich auf Dauer nicht, wenn man nur Kritikerliebling ist. Unter dem Strich ist vermutlich zu wenig für Urlaub in Polen herausgekommen, wobei man sich schon fragen muss, woran das wohl gelegen haben könnte. An der Qualität der Alben und ihrer livehaftigen Wucht hat es wohl kaum gelegen, wenngleich beide Bereiche ihren Teil beigetragen haben dürften: die Labels waren nicht gewichtig genug, und live waren sie zwar immer präsent, aber entweder habe ich es erst erfahren, wenn sie gerade gespielt hatten, oder aber sie spielten auf irgendwelchen bescheuerten Festivals mit Bands wie Mr Ed Jumps The Gun oder so. Wer sie jemals live gesehen hat, fand sie super, aber nicht immer hat es dann wohl zum Kauf einer Platte gereicht, denn womöglich wussten die meisten, dass sie sich diese Musik zuhause niemals anhören würden.

"Diese Musik", ja, was haben sie denn eigentlich gemacht? In Rezensionen stand immer was von wegen Krautrock, und wer sich je ein bisschen mit diesem recht weit zu fassenden Genre beschäftigt hat, wird zustimmen, dass es durchaus einige Überschneidungen gab. Wenngleich Brenner nie begeistert "Jawoll!" geschrien hat, bestritt er doch nie, dass man diesen Begriff in einem Atemzug mit dem kruden Namen seiner Band erwähnen darf. Stattdessen definierte er -wie ich finde- recht zutreffend sowohl das Genre an sich als auch die Ausrichtung seiner Band so:
Der deutsche Versuch, angloamerikanische Popmusik zu transformieren und dabei gewollt oder ungewollt, die etwas hüftsteife, kühle, technische, typisch deutsche Komponente mit einfließen zu lassen um dabei spielerisch etwas neues und eigenes zu erschaffen. 
Manches klang dann auch wirklich 100%-ig nach Krautrock, doch nicht zuletzt dank Produzent und BluNoise-Papst Guido Lucas gab es besonders auf den ersten beiden Alben Parsec und White Spot zudem noch viel Noiserock zu hören, wenngleich man fairerweise sagen sollte, dass diese Zutat schon auf dem ersten Demo, das noch ohne seine Mithilfe entstanden war, vorhanden gewesen war. 
Von Beginn an dabei waren auch die vielleicht nicht immer mitsingbaren, aber doch zumindest eingängigen Melodien, die ab dem dritten Album Health and Warfare noch mehr Raum einnahmen, um dann schließlich auf dem vierten Album Liquid sogar in ein paar potenzielle Hits zu münden, die aber leider keine kommerziellen Hits und wohl noch nicht einmal Underground-Hits wurden, weil sich schlicht und ergreifend immer nur dieselben Leute für diese Band interessierten. Auf diesen Alben fuhren sie auch nach und nach den Elektronik-Anteil hoch, so dass man sich spätestens bei Liquid  fragen musste, wie sie das denn live noch hinkriegen wollten.
Das Farewell-Album Boldstriker bietet schließlich einen Rundumschlag durch ihre gesamte Diskographie, denn hier hat man das Gefühl, Anklänge aus allen Phasen zu hören, und spontan ist mir zumindest ein recht eindeutiger Verweis aufgefallen, denn ich gehe mal schwer davon aus, dass sich Oh Beo, where art thou? auf Beo's Wild Years vom Debütalbum bezieht, was man ja inhaltlich durchaus als verdrückte Träne interpretieren könnte.

Eine solche läuft mir die virtuelle Wange hinunter, denn als ich die Band erstmals hörte, war einer meiner ersten Gedanken, dass meine Band so klingen würde, wenn ich noch in einer spielen würde. Leider bin ich erst mit White Spot auf sie gekommen, denn vorher hatte ich den Bandnamen immer mit deutschem Fun-Punk verbunden, was möglicherweise ein weiterer Grund ist, warum sie nie so richtig in die Hufe gekommen sind. Live gesehen habe ich sie auch nur ein einziges Mal, aber ich hoffe noch auf das von Brenner in einem Interview angekündigte Abschiedskonzert in Köln, bei dem dann auch ein paar Gaststars auflaufen sollen.

Ich habe in den letzten Tagen alle Platten von Urlaub in Polen immer wieder sehr aufmerksam gehört und einmal den Versuch angestellt, eine Best of zu basteln, die auf einen Rohling passt. Dummerweise stehe ich auch nach ein paar Edits immer noch bei rund zwei Stunden, denn es ist schwierig, ihren Output auf 80 Minuten runterzurechnen.
Vielleicht ist es der Tatsache geschuldet, dass Abschied ja immer eine pathetische Komponente hat, aber ich möchte durchaus so weit gehen, Urlaub in Polen in eine Linie mit den großen Namen des Krautrocks zu stellen, als da wären Kraftwerk, Can, Neu! und Faust. Bei Neu! hat es ja irgendwie auch ein bisschen gedauert, aber es würde mich nicht wundern, wenn man Urlaub in Polen in ein paar Jahren als wichtigen Einfluss nennt. Verdient hätten sie es meiner Meinung nach. 

Großartige und zeitlose Band - ich werde Euch vermissen!

n.p.: Urlaub in Polen - alles

Labels:

Brady Miller ist der Beste!

Wie sehr ich Bad Dudes mag, habe ich hier schon mehrfach zum Ausdruck gebracht. Ich frage mich oft, ob es gut oder schlecht ist, dass es sie nicht mehr gibt; immerhin haben sie zwei tolle Alben hinterlassen, und wer weiß, ob die Alben danach ebenso gut gewesen wären!? 
Andererseits war die letzte 7" einfach nur vielversprechend super, und nahezu alles, was ich von den ehemaligen Bandmitgliedern zu hören bekomme, wird zu musikalischem Gold, als da wären:
  • die Projekte von Keyboarder Gabe Castro (Bros N' Cons, Party Girls u.a.),
  • alles, was Gitarrist Brady Miller so treibt (Howl bzw. Wyo Stars, Megasquid, Petro, auch seine Platte mit Upsilon Acrux möchte ich nicht missen, und dann ist noch seine Neu!-Coverband),
  • der aus der Frust-Versenkung wiederauferstandene andere Gitarrist Dan Gerchik, der unter dem Namen Astral Tan sehr geile Electronic-Sachen und Remixes verzapft und gerade mit seiner neuen Band Van Exel aufnimmt, bei der auch Leute von Howl bzw. Wyo Stars mitmachen (hört sich mitunter schwer nach Bad Dudes an, juhu!).
Auch die Sachen von Drummer Jesse Appelhans (z.B. Totally Serious und ebenfalls Upsilon Acrux) sind toll, Ur-Drummer Ben Aigboboh spielt jetzt wieder mit Brady zusammen, und Ur-Keyboarder Marty Sataman war ja auch mal bei Upsilon Acrux. Natürlich will ich auch Chris Meszler, einen weiteren Drummer , nicht vergessen, der zuletzt ja auch bei Upsilon Acrux (bei wem auch sonst?) gewesen ist. Komischerweise ist mir nur von Bassist Daniel Haworth nach dem Split noch nichts zu Ohren gekommen, aber ich halte selbige weiter auf und bin mir sicher, dass da eines Tages auch was kommen wird, was gewiss nicht ganz so schlecht sein wird.

Kommen wir aber zur Überschrift des heutigen Tages...

Leider habe ich Bad Dudes mit Brady ja nicht mehr erleben dürfen, aber mir klingt noch in den Ohren, wie sehr alle Bandmitglieder (und eigentlich jeder, der mit ihm zu tun hatte) von ihm als Musiker geschwärmt haben. Da war oft von "genius" die Rede, und offenbar kann er wirklich jedes Instrument spielen und das wohl nicht gerade schlecht - auf dem Bad Dudes-Debüt stammen sogar die Drums manchmal von ihm! 
Für Dan, der ja schon bei den großartigen Miracle Chosuke mit ihm zusammengespielt hatte, war er hörbar ein spielerisches Vorbild, wobei es mehr als interessant ist, was Dan daraus gemacht hat; ich würde nämlich sagen, dass ich Dan Gerchik ebenfalls unter Tausenden heraushören könnte, und ich freue mich sehr, dass er mittlerweile wieder von sich hören macht.

Aber zurück zu Brady Miller...
Alter, kann der spielen! Ich bin als Kind der 80er ja mit diesen Gitarrenheros aufgewachsen, die Mike Varney damals dutzendweise ausgeschissen hat. Mit diesen hat Brady freilich nichts gemein, wobei ich mir ziemlich sicher bin, dass er auch solche Sachen spielen könnte, denn schnell und technisch versiert genug ist er vermutlich. Er wirkt dabei allerdings niemals auch nur ansatzweise so aufdringlich wie diese Plastikgitarristen; ich denke sogar, dass es nicht so gitarrenaffinen Hörern möglicherweie gar nicht mal auffällt, dass seine Musik vor allem eins ist: 1a Gitarren-Mucke!

In höchstem Maße unprätentiös könnte man seine Art, Gitarre zu spielen, wohl nennen, denn er schüttelt das alles so logga aus dem Handgelenk, dass es eine wahre Freude ist. Auch rein optisch wirkt er als Linkshänder mit seiner ollen Jazzmaster alles andere als glamorös, sondern eher gemütlich.
Naja, und dann spielt er ja nicht nur, sondern er hat diese Songs ja auch komponiert. Dabei macht ihm so leicht keiner was vor, denn schließlich sind seine gitarrenlastigen Kompositionen ja so angelegt, dass sie eben nicht gitarrenlastig klingen. Das muss man  erst mal hinbekommen.
Und dann ist da noch sein charakteristischer Sound: nie aufgeblasen, sondern eher vintagemäßig abgespeckt und gerade deshalb so wunderbar! Selbst in den schrottigen Passagen habe ich immer den Eindruck, dass die Gitarre kein Stück anders klingen dürfte als so.

Dass er (s.o.) ein Freund von Krautrock-Bands wie Neu! ist, verwundert mich nicht, denn in dieser musikalische Spielart finden sich die genannten Qualitäten (Spielfertigkeit, Komposition und Sound) ja meist in ähnlicher Form wieder, wobei in Bradys Surf-Krautrock-Welt immer die Sonne scheint, was ja bei den Genre-Protagonisten eher nicht der Fall war/ist.

Tja, und was jetzt nach diesem Loblied? Nun ja, zuletzt hat er auf dem Pacific Festival gespielt und in diesem Rahmen angekündigt, demnächst nicht nur neue Sachen von Wyo Stars, sondern auch sein Soloalbum an den Start bringen zu wollen.
Ganz ehrlich - er ist wohl auch ein kalifornischer Surfer-Dude, d.h. ich würde mich nicht unbedigt darauf verlassen, dass es schon bald soweit ist, denn selbst wenn er "soon" sagt, legt er sich am nächsten Tag vielleicht doch wieder an den Strand, anstatt im Studio vor sich hinzuschwitzen. Nichtsdestotrotz warte ich seit Bekanntwerden seiner Pläne täglich auf die Vollzugsmeldung und freue mich auf nichts so sehr wie auf neues Zeug von ihm. Ich weiß, dass sowas gefährlich ist, aber was soll ich tun!?!

n.p.: Howl bzw. Wyo Stars - Party (derzeit das beste Album der Welt, und es ist nach wie vor eine Schande, dass man es nur digital bekommt, denn die Relapse-Howl-Anwälte haben damals "STOP!" gebrüllt und diese Band fast zerstört)

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13 September 2011

und noch einmal Skeleton$

Irgendwie die beste Band derzeit, non? Und als würde man es besonders gut mit mir meinen, gibt es auch noch einen brandneuen Live-Mitschnitt, der sich qualitativ absolut hören lassen kann. 
Der Bitte des Anbieters nyctaper, die MP3s (auf Anfrage gibt's das ganze Konzert sogar im FLAC-Format!) nicht direkt zu verlinken, komme ich nicht nur aus Dankbarkeit sehr gerne nach:

http://www.nyctaper.com/?p=7158

Wunderbar, vielen Dank!

Die Tracklist mit Schwerpunkt auf dem letzten Album People poste ich hier aber trotzdem schon mal vorab:

01 More Than The One Thing
02 Wal-Mart and the Ghost of Jimmy Damour
03 Paint Over It
04 Grandma
05 [banter]
06 No
07 Push ‘Im Out
08 [encore break]
09 Lil’ Rich

Gut, oder!?



Wenn man jetzt noch wissen will, was das Bild mit dem Müsliriegel hier soll, sollte man sich das alles aufmerksam anhören - viel Spaß dabei!

n.p.: Skeletons - August 25, 2011 Glasslands (awww...)

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