16 Mai 2010

Frankreich - 12 points (oder: Internet und Musik)

Immer noch sprudelt die Frankreich-Quelle ständig neue Musik für mich auf meine Festplatte und ins Plattenregal. Die letzten Entdeckungen stammen alle aus der Rien-Ecke: Câlin und Centenaire (und damit zusammenhängend Domotic et My Jazzy Child sowie Orval Carlos Sibelius). Dass ich überhaupt auf diese Bands gekommen bin, ist freilich den hier schon mehrfach gelobten ATRDR zu verdanken. Stéphane hat mir gerade eben wieder einen bunten Strauß Bands empfohlen, den es jetzt "abzuarbeiten" gilt.
Eigentlich eine traumhafte Situation, wenn man Musik liebt und immer (noch) auf der Suche nach neuen Sachen ist. Oft reicht es ja schon aus, die Freunde auf den MySpace-Seiten durchzuklicken, um auf Sideprojects und ähnliche Interpreten zu stoßen, die manchmal noch besser sind als die Band, die man eh schon gut fand.
Ich bin allerdings froh, dass diese Möglichkeit noch nicht bestanden hat, als ich musikalisch sozialisiert wurde. Man sollte zwar meinen, dass es doch fantastisch gewesen wäre, in seiner Sturm- und Drangphase all diese Musik zu finden, aber ich bezweifle, dass ich zu diesem Zeitpunkt in der Lage gewesen wäre, diesem Überangebot auch nur annähernd gerecht zu werden. Ich denke, vieles wäre alleine deshalb an mir vorbeigerauscht, weil ich damals noch nicht in der Lage gewesen wäre, die Spreu so vom Weizen zu trennen, wie es mir heute nach fast 30-jähriger Musikkonsum-Erfahrung möglich ist. Selbst die Granaten unter den Neuentdeckungen wären möglicherweise verpufft, weil aufgrund der schieren Menge gar nicht genug Zeit da gewesen wäre, sie überhaupt als Granaten wahrzunehmen.
Wenigstens ein bisschen erschlagen fühle ich mich jedoch manchmal auch heute noch, zumal ich heutzutage durch die veränderten Lebensumstände (Familie, Arbeit) natürlich weniger Zeit habe, mich der Musik so zu widmen wie früher.
Ich habe hier ja schon erzählt, dass ich diesbezüglich bereits vor einigen Jahren meinen Koller hatte. Was für eine kathartische Wirkung diese Spontanaktion auf mich hatte, kann ich nicht oft genug betonen. Seitdem ist es mir ziemlich egal, was ich aktuell so verpasse, denn mein Guter-Musik-Speicher ist immer zu meiner vollen Zufriedenheit gefüllt - aktuell mehr denn je. Dennoch sehe ich mich nicht mehr gefährdet, diesbezüglich irgendwann wieder Frust zu schieben und alles wegzuschmeißen, denn ich kann nun irgendwie verantwortungsvoller mit diesem Geschenk (das mich übrigens sehr teuer kommt, weil ich mir das natürlich alles brav kaufe, am besten noch auf Vinyl) umzugehen.
Im Grunde ist das aber ja grundsätzlich bei all den neuen Möglichkeiten unserer Zeit so - wer damit umgehen kann, profitiert davon in hohem Maße; und wer sich davon überrollen lässt, geht halt daran kaputt. Dieses Phänomen hat Neil Postman ja schon vor langer Zeit erkannt. Guter Mann!
n.p.: Centenaire - The Enemy (ich mache mir ins Hemd!)

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