26 Januar 2009

Eloge auf Danzig

Was hat man über Glenn Danzig schon Häme ausgegossen! Kübelweise gab es sie nicht zuletzt dank YouTube, nachdem ihm ein Mitglied seiner Vorband auf die Fresse gehauen hatte oder als er mal von der Bühne gefallen war. Womöglich hatte er das sogar verdient, denn dass der Typ einen Hau weg hat, wusste ich spätestens, nachdem ich mir seinerzeit das Homevideo zugelegt und angeguckt hatte. Darauf ist dieser abgebrochene Meter zu sehen, wie er vor dem Konzert ewig an seinen komischen Lederhandschuhen hantiert, und wenn er dann mit nacktem Oberkörper vor seinem Bücherschrank über die Bibel sinniert, dann fragt man sich wirklich, ob er sich überhaupt selber ernst nehmen kann.
Was man bei all dem aber gerne vergisst, ist die für für mich unumstößliche Tatsache, dass er einmal eine der perfektesten Bands, die es jemals gegeben hat, am Start hatte. Zusammen mit Eerie Von, John Christ und Chuck Biscuits schnürte er von 1988-1994 ein Gesamtpaket, an dem ich auch mehr als eine Dekade später eigentlich nicht wirklich was auszusetzen habe (fack - das Debüt wird ja dieses Jahr schon 20, uff!!!).

Fangen wir mal mit den Äußerlichkeiten an:
Die vier Herren an sich waren im Grunde genommen schon wie gemalt - in der Mitte der muskulöse evil Giftzwerg, an den Saiteninstrumenten rechts und links zwei blasse dunkelhaarige Schlakse, die nicht nur wegen ihres Bart-Styles als gruselige Brüder durchgehen konnten, und auf dem Drumriser über ihnen dann ein blonder Jüngling, der halbstehend mit abgesägten Besenstielen auf sein Kit einprügelte. Ich habe sie damals live gesehen, und man hätte sie nicht besser zusammencasten können. Volle Punktzahl!
Das Artwork des ersten Albums passte ebenfalls wie Arsch auf Eimer - der von Samhain mitgenommene (aber ursprünglich aus einem Comic stammende) weiße Fantasie-Totenschädel auf tiefschwarzem Hintergrund war so ausdrucksvoll und simpel wie der musikalische Inhalt des Albums selber, und sich einen anderen Schriftzug (den Schrifttyp hatte man ebenfalls schon mal bei Samhain gesehen) vorzustellen, geht irgendwie auch nicht.
Überhaupt der Name - Danzig an sich ist schon so super, vor allem wenn man sich -wie ich- immer schon geweigert hat, /dännsik/ zu sagen, und ihn stattdessen immer deutsch, also /danntsik/, ausgesprochen hat, weil das irgendwie archaischer und damit passender klingt.
Das Artwork von II - Lucifuge erschien von außen relativ schlicht (das Coverfoto ist übrigens ein rip off vom The Doors-Debüt), doch beim Ausklappen des Booklets entfaltete sich ein umgedrehtes Kreuz, bei dessen Anblick ich mich sogleich auf die Knie werfen wollte. Zwar Klischee hoch zehn, aber trotzdem bzw. gerade deswegen soooo geil!
HR Giger bei III - How the Gods kill war zwar gähn, weil das schon so viele gemacht hatten, aber man wusste ja mittlerweile, mit wem man es zu tun hatte. Passte also auch wieder, zumal man sich jetzt tatsächlich endgültig sicher sein konnte, es im Grunde mit einer Karikatur zu tun zu haben.
Das mystische Artwork von 4 war von daher zwar wieder irgendwie ein Schritt zurück, aber wenn man sich all die Platten danach anguckt (der Gipfel war das wie ein Comic gestaltete The lost tracks-Boxset), dann hat man das Gefühl, dass der gute Mann sich doch irgendwann damit abgefunden hat, vor allem als Spinner angesehen zu werden.

So weit, so gut, denn Musik ist auf den Platten 1-4 ja auch noch drauf. Im Grunde ließ bereits das Bandfoto im Innern des Debütalbums keinen Zweifel übrig, wie die Musik wohl klingen würde, denn der Biker-Lederjacken-Look, die üblen Fressen und dieser fettelnde Elvis-Typ fassen den Sound von Danzig wohl durchaus gar nicht mal schlecht zusammen.
Wie schon erwähnt - die Songs
sind eher simpel gehalten, aber die Riffs sind dennoch wie in Stein gemeißelte Meisterwerke rotzrockender Gitarrenkunst (auch die Soli sind durch die Bank weg spitzenmäßig), und so singen und jaulen (!) darf auch nur der Glenn. Diese eigenständige Mischung aus Black Sabbath, AC/DC, The Doors, Elvis Presley, Roy Orbison und The Cult wird zusammengehalten von einem immer absolut songdienlichen Bass und einem kraftvollen und gänzlich unfiligranen Drumming, das die Hardcore-Vergangenheit des Drummers nie ganz verleugnen kann.
Ich habe in den letzten Tagen mal wieder alle vier Platten dieser Besetzung gehört und finde selbst so einen albernen Schmachtfetzen wie Blood and tears (von II - Lucifuge) so großartig, dass es mir unmöglich erscheint, eine Best of zu erstellen, die auf nur eine CD passt. Tatsächlich habe ich mal eine DoCD-Version gemacht, aber diese vier Alben bilden im Grunde das unantastbare Gesamtwerk dieser Danzig-Besetzung.
Wobei aber freilich nicht alle vier Alben gleichwertig sind:


1988: Danzig
Als ich diese Platte erstmals hörte, machte mich nicht nur die Musik an, sondern ich war vor allem von dem furztrockenen, fast schon demomäßigen Sound angetan. Die Songs waren böse, Mother (schon damals) ein verdammter Hit und überhaupt alles total super. 12/12 Punkte

1990: Danzig II – Lucifuge
Im direkten Vergleich erschien mir der Sound hier zu bombastisch, das war mir irgendwie vor allem anfangs ein bisschen zu viel des Guten. Stilistisch packten sie aber noch einen drauf, so dass ich nur wenig Abzüge habe, obwohl ich komischerweise immer erst mal denke, dass das die "schlechteste" aus bzw. von dem Quartett ist. 11/12 Punkte

1992: Danzig III – How The Gods Kill
Glenn Danzig leitete die Aufnahmen, während Rick Rubin ganz offiziell nur den executive producer machte, und das hört man auch, denn die Platte klingt irgendwie komisch (in der Stille am Ende von Left Hand Black kann man sogar noch Sachen hören, die offenbar vorher auf dem Band waren oder so), aber der unterkühlte Sound passt dann doch sehr gut, was im Grunde schon direkt beim Opener deutlich wird. Das Songmaterial ist leider etwas unausgewogen - es sind absolute Knaller dabei, aber auch die eine oder andere entbehrliche Nummer. 10,5/12 Punkte

1994: Danzig 4p
Wie warm klingt dieses Album nach III eigentlich? Ach so, der Meister hatte es offenbar eingesehen und Rubin wieder mehr machen lassen. Die Songs präsentieren eine Band, die irgendwie erwachsen geworden zu sein scheint, und daran können auch Glenns bescheuerte Soloeinschübe Sadistikal und Invocation (Track 66, hui!) nur minimal etwas ändern (ich lasse sie bei der Bewertung einfach außen vor, weil sie für mich nix mit der Band zu tun haben). Vom Songmaterial manchmal sogar besser als das Debüt, aber... 11,5/12 Punkte

Gesamtnote nicht nur wegen der angesprochenden Äußerlichkeiten definitiv trotzdem 12/12, denn das Hörgefühl gleicht die Abzüge bei den einzelnen Alben so oder so wieder aus. Was mich nämlich auch heute noch immer wieder umhaut, ist die Energie, die die Songs dieser Danzig-Ära freisetzen. Ich muss sofort meinen Kopf schütteln, kopfüber die Pommesgabel schwenken und dazu den "Silvio-Dante-Mundwinkel" machen.

So ca. in der ersten Hälfte der Neunziger unterhielten ein Kumpel und ich mit Luftschlagzeug zu Twist of Cain alle Anwesenden in einer schon lange nicht mehr existenten Metal-Kneipe in der Kyffhäuser Straße in Köln. Bei einem "Beckenschlag" ging ein mit einigen Kölsch-Gläsern bestücktes Tablett fliegen, aber statt Ärger -die Bedienung und einige Umstehende müssen klitschnass gewesen sein- bekamen wir standing ovations und sogar noch einen ausgegeben.
Naja, worauf ich hinaus wollte - die Musik setzt Aggressionen frei, aber vielleicht weil man weiß, dass das alles doch gar nicht so böse ist, gehen diese Aggressionen immer einher mit einer dicken Portion guter Laune.
Perfekte Band mit perfekter Musik - Danzig rule!!!

n.p.: Danzig
(nuff said)

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23 Januar 2009

Früher waren die noch gut

Wenn man viel Musik hört, ergibt es sich manchmal, dass man einen Interpreten sozusagen "entdeckt". Früher musste man für sowas schon irgendwie ein ziemlicher Checker sein und die richtigen Leute oder Magazine kennen; im Internetzeitalter könnte man, wenn man es darauf anlegt, womöglich jede Woche einen neuen Geheimtipp 'raushauen.
Mit einem gewissen Stolz verbreitet man in solchen Fällen die frohe Kunde im Bekanntenkreis und drängt die Musik jedem auf,
dem man sie "zutraut". In vielen Fällen bleibt die neue Errungenschaft auch weiterhin relativ unbekannt; in manchen Fällen allerdings kann man ihr über die nächsten Monate und Jahre beim Wachsen zugucken; manchmal wird sie sogar so groß, dass sie auf einmal die KölnArena ausverkauft oder sich auch ein Coldplay-Hörer das neue Album in seinen CD-Ständer stellt.
Anfangs empfindet man dabei noch das positive Gefühl der Selbstbestätigung und weist auch gerne immer wieder darauf hin, dass man es ja immer schon gewusst habe. In vielen Fällen triggert ein solcher Verlauf aber irgendwann die Entstehung einer Antihaltung. Man fühlt sich von der medialen Präsenz übersättigt, findet die neuen Songs doof, empfindet Fremdscham, wenn man erfährt, wer den Interpreten auf einmal goutiert, und findet manchmal sogar bei den alten Sachen auf einmal ein paar Haare in der Suppe.
Irgendwie schon verständlich, denn wenn man z.B. eine Freundin hat, die eine absolute Granate ist, die jeder whoah findet und mit der man sich gerne sehen lässt, fände man es wohl auch eher nicht so gut, wenn sie auf einmal mit jedem in die Kiste springen würde.
Der Vergleich mag übertrieben sein, aber mal Hand aufs Herz - wer die Problematik (also nicht die
mit der Freundin jetzt) kennt, hat sich doch nicht ausschließlich gefreut, wenn die Welt plötzlich erkannt hatte, wie gut diese Musik ist!?!

Wenn man nicht ganz unfair sein möchte, sollte man aber schon mal darüber nachdenken, ob dieser Reflex immer so angebracht ist. Ich meine, was ändert es denn an der Musik bzw. dem, was einen selber zu diesem Interpreten geführt hat? Warum soll etwas, das mal total super war, auf einmal kaum noch zu ertragen sein? Kann man es seiner Entdeckung nicht einfach gönnen? Schließlich hat man sie ja selber nicht geheimgehalten und wollte, dass mehr Leute sie anhören!
Natürlich muss man bei der Antwort differenzieren.

Manchmal liegt der Grund darin, dass man dem Interpreten und seiner Musik ganz einfach entwachsen ist. Damit muss man sich einfach abfinden, und das geht auch meistens. Man findet die Stagnation des Interpreten im schlimmsten Fall ein bisschen armselig, aber immerhin sind ja die alten Platten noch da, und man weiß noch, wie es damals war, als man dazu ausgerastet ist. Sich daran heute zu erfreuen, entfacht höchstens ein bisschen Wehmut. Vielleicht hört man sie aber auch automatisch nicht mehr, weil man eben heutzutage ganz einfach nicht mehr so darauf abfährt bzw. sich die Gelegenheiten gar nicht mehr ergeben.

Manchmal muss man vielleicht auch einfach akzeptieren, dass nicht jeder sich so weiterentwickelt, wie man das selber gerne gesehen hätte. Sowas passiert ja im Bekanntenkreis schließlich auch - Leute ziehen um, ergreifen völlig andere Berufe als man selber, geraten in andere Kreise, durch die sie zwangsläufig selber auch anders werden. Wenn man also sozusagen "der Verlassene" ist, findet man das zwar eventuell jammerschade, aber das ist eben der Lauf der Dinge. In so einem Fall die alten Platten zu hören, kann mitunter schwierig werden. Wenn man es schafft, die Phasen für sich selbst ganz klar in Früher und Danach einzuteilen, können sie aber durchaus auch weiterhin Spaß bereiten.

Wenn allerdings klar ist, dass der Interpret vor allem plötzlich Dollarzeichen in den Augen hat und deshalb gewisse Änderungen vornahm, kann man ihn natürlich guten Gewissens ätzend finden und muss sich nicht mal mehr die alten Platten anhören, weil man sich in einem solchen Fall vielleicht sogar zurecht betrogen sehen darf. Ich denke schon, dass es möglich ist, dass Musik, die man mal großartig gefunden hat, in so einem Fall auf einmal nicht mehr ehrlich für einen klingen kann. Vielleicht ist es einem auch peinlich, dass man darauf 'reingefallen ist.

Selbstverständlich gibt es auch Mischformen dieser drei Kategorien, besonders bei den letzten beiden. Manchmal kann man sich eben nicht ganz sicher sein, ob es sich um eine normale Weiterentwicklung handelt, die man selber einfach nicht so gut findet, oder ob nicht doch die Tatsache, dass der Interpret jetzt mit Models und Hollywood-Größen auf Glamour-Partys abhängen kann und die größten Stadien ausverkauft, der Änderungsfaktor gewesen ist. Hier muss jeder selber für sich entscheiden, ob er akzeptiert, dass auch das einfach nur eine Weiterentwicklung sein kann.

Einfach nur zu sagen, dass jemand früher noch gut war und dementsprechend heute nicht mehr, wäre mir früher öfter passiert. Mittlerweile setzt da wohl so eine Art Altersweisheit ein, die mir sagt, dass ich mich selber nicht so wichtig nehmen sollte.
Ich will hier aber auch niemandem vorschreiben, was er zu tun oder zu lassen hat, aber ich frage mich halt selber schon selber seit einer geraumen Weile, ob ich wirklich nie wieder Red Hot Chili Peppers hören kann, ohne die Nase zu rümpfen.
Bei
NIN habe ich für mich akzeptiert, dass ich dafür mittlerweile wohl zu alt bin. Ich interessiere mich
einfach nicht mehr für sie und finde das auch gar nicht so schlimm. Ab und an ist das noch mal ganz okay, manchmal rutscht mir sogar noch ein whoah 'raus, aber diese Zeit scheint einfach nur vorbei zu sein (heimlich geht natürlich immer noch).

Ganz schlimm finde ich es übrigens, wenn die schon angesprochene mediale Überpräsenz es schafft, selbst die alten Kracher kaputtzumachen. Wenn man auf einmal den Sänger, den man mal angebetet und vielleicht sogar in eigenen Bands imitiert hat, nur noch furchtbar findet; wenn das Gitarrenspiel, das einen selber mal fast dazu gebracht hat, nie wieder eine Gitarre in die Hand nehmen zu wollen, mittlerweile nur noch langweilt; wenn man die Refrains von Liedern, die man selber früher mitgegröhlt hat, nicht mehr hören kann - sich in diesen Fällen von dem Gedanken zu verabschieden, dass der Interpret und seine Musik jemals gut gewesen sind, ist schon ganz schön hart.

Vielleicht kann man also wirklich erst mit Fug und Recht sagen, dass ein Album oder ein Interpret unkaputtbar sind, wenn man es geschafft hat, eine Dauerbeschallung der perversesten Art hinter sich zu bringen. Mich würde mal interessieren, wie viele Lieblinge da am Ende noch übrigbleiben würden...

n.p.: Crimson Jazz Trio - King Crimson Songbook
(kann auch die Originale immer noch gut hören, hatte aber gerade Bock auf Jazz)


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21 Januar 2009

Was hörst Du denn so?

Wie ich diese Frage hasse! Und sie kommt öfter, als man meinen sollte. Ich meine, wie zur Hölle soll man denn bitteschön auf sowas antworten?!? Immerhin blicke ich ja bald auf drei Jahrzehnte (aktiven) Musikkonsum zurück, habe in dieser Zeit den einen oder anderen Tonträger gekauft, bin bei mehr als 2-3 Konzerten gewesen, habe unzählige Interpreten und sehr viele Musikstile für mich entdeckt bzw. mich auf Empfehlungen eingelassen, manches habe ich auch wieder verworfen bzw. aus den Augen/Ohren verloren (bin aber eigentlich der meisten Musik treu geblieben) usw. Alleine in den Jahren nach meiner neue-Musik-Verweigerungsphase habe ich Musik kennengelernt, für die ich möglicherweise sogar einen Finger hergeben würde, wenn man mich in der richtigen Stimmung antrifft.

Wie soll die Antwort also lauten? Woran macht man fest, was für Musik man "so" hört?

Selbst wenn ich mir angucke, von welchen Interpreten ich die meisten Tonträger habe, komme ich in dieser Frage nicht weiter. Natürlich ist das ein Ansatz, den ich manchmal aus der Not geboren wähle, aber ist es fair den Interpreten gegenüber, die ganz einfach nicht so viele Veröffentlichungen vorweisen können, aber bei mir dennoch einen vielleicht ebenso hohen Stellenwert genießen? Und wird es dem, was ich "so" höre, auch wirklich gerecht?
Selbst wenn ich feststelle, dass meistens Gitarren dabei sind, kann ich ja auch schlecht "Gitarrenmusik" sagen, denn wie bescheuert klingt das denn bitte!?! "Jo, ich höre so Gitarrenmusik, nech..." - ja, ist klar...

Meistens verweigere ich mich bei dieser Frage irgendwann völlig, weil sie mich einfach hilflos und hektisch nach einer griffigen Antwort suchend zurücklässt. Frage mich echt, was jemand, der so eine blöde Frage stellt, eigentlich hören will!?

Ganz schlimm wird es übrigens, wenn ich mit den Vorlieben des Fragenden gar nichts anfangen kann bzw. sie sogar verachte, denn schnell verachte ich dann auch den Fragenden und bin der Meinung, dass ich genausogut meine Autoreifen aufschlitzen könnte, anstatt ihm eine ernsthafte Antwort zu geben. In diesen Fällen bietet sich natürlich ein überhebliches "Kennst Du eh nicht" an, aber das finde selbst ich zu albern.
Auch eine Antwort à la "so querbeet" macht mich würgen, denn was ist das denn bitteschön für eine Aussage!?! Ich meine, selbst wenn sie vielleicht vom Ansatz her stimmt, ist "so querbeet" doch eine absolute Zumutung; da könnte ich ja gleich "och, alles eigentlich" sagen!

Wie gesagt - ich bin ja der, dem man gerne vorwirft, beim Thema Musik etwas verkopft zu sein. Wenn ich mir angucke, was für einen Stress diese Frage bei mir auslöst, dann mag da was dran sein...

n.p.: Party Girls - Get raped
(zumindest schon mal
die drei derzeitigen MySpace-Songs in Endlosschleife; bin gespannt, was aus dem Bad Dudes-Umfeld in Zukunft noch so kommen wird, denn bislang finde ich alles ziemlich töfte)

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19 Januar 2009

Stimmungsmusik (pt. ii - Wetter grau)

Dass ich ein eher leidenschaftsloser Typ bin, kann man z.B. daran sehen, wie leicht(fertig) ich mich von irgendwelchen Sachen trennen kann. Als ich das letzte Mal mit meinen Eltern umgezogen bin (ich war 19, stand also kurz vor dem Abi bzw. meinem finalen Auszug aus dem Elternhaus), habe ich tonnenweise Sachen weggeschmissen, die ich heute schon ganz gerne noch hätte, z.B. selbstgeschriebene Geschichten und Gedichte sowie Bilder in rauen Mengen. Wollte mal hart sein und hielt es damals einfach nur für Ballast. Im Laufe der Jahre ist das noch ein bisschen schlimmer geworden, denn ich sah, dass bei jedem Umzug am Ende immer ein Karton übrigblieb, der dann fortan irgendwo im Keller vor sich hingammelte. Letztens brachte mein Vater mir einen von diesen Kartons mit, die damals nach meinem Auszug zurückgeblieben waren. Ich war aufgeregt beim Auspacken, stellte aber letztendlich fest, dass ich ca. 9/10 davon sofort wieder wegschmeißen konnte (was ich dann auch tat).

Naja, worauf ich hinauswill (schließlich ist das ja hier irgendwie doch sowas wie ein Musik-Blog, oder nicht!?) - bei Platten bin ich irgendwann auch mal rigoros geworden und habe viele Sachen, die ich gar nicht höre und eigentlich auch nie wieder hören will, bei eBay oder amazon marketplace 'reingestellt. Immer wieder führe ich hier Inventuren durch und lege dabei jedes Mal CDs auf den "Verkaufstapel". Bislang habe ich auch immer richtig aussortiert, denn vermisst habe ich nie was davon.

Mit einer Ausnahme: das Album Succour der Gruppe Seefeel habe ich vor Jahren einmal aussortiert, nachdem ich gesehen hatte, für wie viel Geld es bei marketplace angeboten wurde. Ich erzielte dann auch einen relativ ordentlichen Preis dafür, war zunächst einmal zufrieden und vermisste auch nichts. Schließlich war Succour für mich ein Album gewesen, das ich zwar nicht wirklich schlecht fand (die Tatsache, dass es angeblich mit echten akustischen Instrumenten eingespielt worden war, aber gänzlich elektronisch generiert klang, hat mich sogar ziemlich fasziniert), aber irgendwie hatte ich das damals durchaus berechtigte Gefühl, dass ich die Platte eh nie gehört hatte.
Im Nachhinein weiß ich, dass ich schlicht und einfach noch nicht bereit für die Platte gewesen war. Vielleicht ordne ich es zeitlich falsch ein, aber mir kommt es so vor, als ob Hex von Earth mich erst auf den Trichter gebracht hat, dass Musik, in der vordergründig eigentlich nichts passiert, dennoch einen immensen Spannungsbogen haben kann.
Dieser Prozess ist wohl auch noch nicht ganz abgeschlossen, denn nach wie vor würde ich mich eher so einschätzen, dass ich eher leicht überladene Musik bevorzuge. Nichtsdestotrotz hat in den letzten Jahren mein Verständnis für derartige Klänge stark zugenommen, und so ist es nicht verwunderlich, dass auch der Hex-Nachfolger The Bees Made Honey In The Lion's Skull einen sehr bleibenden Eindruck bei mir hinterlassen hat. Das Gefühl, wenn ein Song wie Hung from the moon nach ca. dreieinhalb Minuten Monotonie und Endlosschleifenwiederholung plötzlich "aufgeht", kann man nur mit whoah beschreiben.


Aber zurück zu Seefeel und Succour - an einem grauen und verregneten Sonntag, der dann auch eine dementsprechende Stimmung freisetzte, saß ich alleine hier zuhause an meinem Schreibtisch und sah nach draußen. Wie vom nicht vorhandenen Blitz getroffen hatte ich sofort diese Musik im Kopf. Ich durchwühlte meine alten (unbeschrifteten) MP3-CDs, weil ich mir sicher war, dass ich das Album mal komprimiert und gebrannt hatte, und zur Abwechslung hatte ich mal das Glück, dass es nicht erst auf der letzten CD war (denn sowas passiert mir sonst eigentlich immer). Die Musik passte tatsächlich wie die Faust aufs Auge, und so war schnell abgemachte Sache, dass ich mir die CD sozusagen wieder zurückkaufen musste (bin diesbezüglich altmodisch: was ich gut finde, reicht mir nicht als MP3). Ich war sogar durchaus bereit, dafür viel Geld auszugeben; doch ich hatte Glück und fand die CD bei der britischen amazon-Seite für vergleichsweise wenig Penunzen.

Wie dem auch sei - vor ein paar Minuten ist zwar die Sonne 'rausgekommen, doch bis dahin war es ähnlich grau wie damals, und ich fühlte mich nach n.p.: Seefeel - Succour.
Das Album läuft immer noch und funktioniert auch mit Sonnenstrahlen (bei Hex bezweifle ich das übrigens, aber dafür geht ja zum Glück bei The Bees Made Honey In The Lion's Skull öfter mal die Sonne auf).

fun fact: Habe ja im Linernotes-Eintrag schon mal angemerkt, dass sich bei mir ja oft Kreise schließen und vieles auf einmal zusammenpasst, was vorher nicht zu passen schien.
Als ich auf Cool out and Coexist, dem Live-Album von Dub Trio, plötzlich unverhofft eine Coverversion von Extract (Track 2 auf Succour hörte, war ich nur kurz überrascht und musste grinsen, weil ich diese Momente so liebe.

Beflügelt von der Seefeel-Erfahrung hoffe ich insgeheim übrigens darauf, dass ich mir noch manch eine der aussortierten und verkauften Platten irgendwann doch wieder nachkaufen muss, denn irgendwie hat das ja auch was. Succour ist mir dadurch definitiv noch mehr ans Herz gewachsen und hat sich seine verspätete Aufnahme in die Heiligen Hallen mehr als verdient...

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17 Januar 2009

Ihr könnt Euch auf den Kopf stellen...

4002 'uoʇǝןʇsɐɔ uıʌɐƃ
˙ǝɔuɐɥɔ ɐ ɯǝɥʇ uǝʌıƃ ǝʌ,noʎ sɐ ƃuoן sɐ 'uo ןןɐɟ noʎ ǝpıs ɥɔıɥʍ ǝɹɐɔ ʎןןɐǝɹ ʇ,uop ı ʎɐs puɐ ʇsǝuoɥ ǝq oʇ ǝʌɐɥ ı ʇnq 'ʍou ʇɥƃıɹ ʇǝƃ uɐɔ ı spuǝıɹɟ ǝɥʇ ןןɐ pǝǝu ı ǝsnɐɔǝq ɹǝɯɹoɟ ǝɥʇ ןǝǝɟ noʎ ɟı ןooɔ ǝq pןnoʍ ʇı ˙pǝʎouuɐ puɐ pǝʇɔǝןƃǝu ןǝǝɟ ןןıʍ noʎ ʇɐɥʇ ǝʌısnןɔxǝ puɐ pǝpıs-ǝuo os ǝq ןןıʍ ʎǝɥʇ ɹo 'ǝɯ oʇ ǝsoןɔ puɐ pǝʇsnɹʇ ןǝǝɟ ןןıʍ noʎ ʇɐɥʇ ʇɔǝɹıp puɐ ʇsǝuoɥ os punos ןןıʍ ʎǝɥʇ ɹǝɥʇıǝ - uo puɐʇs noʎ ǝpıs ɥɔıɥʍ ǝpıɔǝp oʇ ǝʌɐɥ ןןıʍ noʎ puɐ ǝuıן ɐ ʍɐɹp ןןıʍ [ɔısnɯ ʎɯ] ʞuıɥʇ ı ˙ʇsıʇɹɐ uɐ ɯɐ ı pɹoɔǝɹ uo ʇnq 'ɥʇoq ɯɐ ı ʞuıɥʇ ı ˙ʇsıʇɹɐ uɐ uɐɥʇ ɹǝɯɹoɟɹǝd ɐ ǝʞıן ǝɹoɯ spunos ʇɐɥʇ ǝɯ oʇ "¡sɹǝuǝʇsıן ɹɐǝp ʎɯ oʇ uoıʇɐɹıdsuı puɐ ʎoɾ ƃuıɹq oʇ [ʇı] ǝpɐɯ ı" ʎɐs ı op ǝɹǝɥ uı ǝɹǝɥʍou ʇɐɥʇ ǝɔıʇou ˙ǝɹnʇɐu ɥsıɟןǝs ɐ ɟo ǝɹɐ [ɔısnɯ] ƃuıʞɐɯ ɹoɟ suosɐǝɹ ǝsǝɥʇ ןןɐ ʇɐɥʇ ǝʇou oʇ ʇuɐʇɹodɯı s,ʇı


n.p.: Type O Negative - Bloody Kisses
(nach all den Jahren immer noch ein unfassbar gutes Album)

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Tina Turner macht jetzt Punkrock (oder so)

Es gibt ja Interpreten, die mal eine gute oder sogar sehr gute Phase hatten, in der sie Perlen für die Ewigkeit 'rausgehauen haben, als gäbe es kein Morgen. Irgendwann kam der/das Morgen dann doch, aber ihr musikalischer Anspruch spottet am Tag danach leider jeder Beschreibung.
Oft genug frage ich mich, warum die sich das überhaupt noch antun. Wenn man (mindestens) einen Song geschrieben hat, der nahezu täglich auf jeweils 23 Radiostationen in 65 Ländern dieser Welt im Radio gespielt wird, müsste man ja eigentlich keinen Finger mehr krumm machen. Und wenn man auf Faulenzen nicht klar kommt, muss man doch zumindest nicht mehr alle zwei bis drei Jahre ein belangloses Album auf den Markt bringen und ein Dreivierteljahr lang 24/7 betouren, oder!?

Was also bringt eine Band wie z.B. Bon Jovi dazu, diesen ganzen Quark noch mitzumachen und sich musikalisch nicht mal milimeterweise zu bewegen? Hat jemand wie Elton John nicht mal Lust auf was ganz Anderes? Muss eine Celine Dion wirklich bis an ihr Lebensende immer dieselben Register ziehen und in Las Vegas gelangweilte Leute mit noch langweiligerer Musik bedienen? Hat nicht auch ein Ozzy Osbourne Lust mal auf irgendwas, was seine Fans (schlimm genug, dass sich offenbar tatsächlich noch Leute seine Platten kaufen) vor den Kopf stößt (z.B. ein Beatles-Coveralbum mit 1:1-Versionen)? Was haben sie denn alle zu verlieren?
Mir ist klar, dass man seinen Fans gegenüber sowas wie eine Verantwortung hat, weil sie einen schließlich dahingebracht haben und irgendwann mal, ohne mit der Wimper zu zucken, 128.- Euro für die fünfte Abschiedstour auf den Tisch legen. Aber hat man diese Verantwortung denn wirklich noch, wenn man im Geld schwimmt und im Prinzip nur noch ins Studio geht, weil man das ja schließlich die letzten 20 Jahre auch schon gemacht hat?
Wenn jetzt z.B. King Crimson, die ja durchaus sowas wie eine meiner erklärten Lieblingsbands sind, eine Discoscheibe machen wollen würden, nur weil sie da auch mal Bock drauf haben (und das auch klar so ansagen), dann würde ich ihnen das von ganzem Herzen gönnen. Ich glaube sogar, dass viele sog. Fans Verständnis dafür hätten, wenn ihr Star dann doch auch mal Lust auf eine ganz andere Musik hat.
Eine Jazz-Platte der Rolling Stones - warum nicht?! Ein Lounge-Album von Scooter - geilo! Phil Collins bringt ein Instrumentalalbum 'raus - ich würde es wahrscheinlich sogar kaufen!

Was ich damit sagen will: diese Leute -ganz egal, ob man sie nun mag oder nicht- sind ja musikalisch nicht ganz auf den Kopf gefallen. Sie können Instrumente spielen; sie wissen über Komposition und Aufnahmetechniken Bescheid; sie kennen oder haben Zugriff auf Leute, die bestimmte Sachen beherrschen und ihnen (für Geld, das die Stars mal eben aus der Portokasse holen) ihr Talent zur Verfügung stellen würden; sie hören sicherlich auch selber zuhause manch krudes oder zumindest anderes Zeug - wie können sie morgens in den Spiegel gucken, wenn sie gerade das 194. Lied ihrer Karriere veröffentlicht haben, das sich weder stilistisch noch vom Anspruch her großartig von den 193 bisher veröffentlichten Liedern unterscheidet? Wie motivieren sie sich? Und warum haben sie das noch nötig?
Mich würde das irgendwann langweilen, und ich denke, mir wäre es auch egal, wenn alle denken würden, dass ich nun komplett abgeraucht bin.

Umgekehrt sind selbstverständlich die Madonnas (jaja, schon klar, dass "Madonnen" der richtige Plural wäre) dieser Welt ziemlich schlimm, wenn sie krampfhaft einen auf innovativ machen. Auch ein eigentlich unangreifbarer David Bowie hat sich schon an sowas verhoben. Aber ich meinte ja auch gar nicht, dass diese etablierten (Alt-) Stars jetzt auf einmal die Musik neu erfinden müssen; ich nehme ihnen einfach nicht ab, dass sie selber mit ihrer halbgaren Grütze immer noch d'accord gehen. Ich wünsche mir Outings, die über ein "Naja, natürlich haben wir nicht jeden Abend Bock auf Smoke on the water und den dazugehörigen Mitsing-Part" hinausgehen und auch mal das eigene Schaffen in Frage stellen. Stattdessen immer nur "Unser neues Album ist das beste unserer Karriere", obwohl selbst die B-Seiten von früher 100x besser waren.
Wie gesagt - ich hätte dafür vollstes Verständnis und fände das in vielen Fällen sehr, sehr spannend.

n.p.: Danzig - Blackacidevil
(nee, war nur Spaß, hahaha; in Wahrheit höre ich seit gestern wieder die großartige
4)

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15 Januar 2009

Geschmacksache

Jeder weiß - es gibt Musik, die man gut findet, und es gibt Musik, die man nicht so gut findet; und natürlich gibt es auch Musik, die man beschissen findet. In meiner Welt gibt es zudem auch Musik, der ich jede Existenzgrundlage abspreche. Musik, bei der ich nicht weiß, warum man ernsthaft auf die Idee kommen kann, sie aufzulegen und anzuhören, geschweige denn dafür auch nur einen Cent auszugeben (mindestens 6 von 10 Radioliedern fallen für mich in diese Kategorie). Über diese Musik weigere ich mich sogar, hier zu reden.
Ich rede in diesem Blog-Eintrag über richtige Musik, die tatsächlich auch
von Leuten gehört wird, die Musik hören. Nicht Feld-Wald-und-Wiesen-Einslive-SWR3-Ü30-Aftershow-Partys-Konsumenten, die vor allem Greatest Hits-Alben oder inFeuilletons angepriesene Platten kaufen, sondern tatsächlich Menschen, denen ich ein gewisses Maß an Geschmack zugestehe.

Womit wir ja schon beim Thema wären: wenn es um Musik geht, wird dieses Wort ja immer wieder ausgepackt. Jaja, es ist Geschmacksache, und nicht jeder mag halt dasselbe, bla...
Ich muss ganz ehrlich sagen, dass ich kein großer Anhänger dieses "Konzepts" bin. Es zeugt in meinen Augen schlicht und einfach einfach von fehlendem Mumm, wenn man derart 'rumeiert und sich damit rechtfertigt, warum man etwas mag oder eben nicht, denn was ist das denn bitteschön für ein Argument!?!
Meine Abneigung geht selbstverständlich nicht so weit, dass ich behaupte, dieser Geschmack bzw. die Frage danach würde gar nicht existieren . Klar gibt es Musik, die ich mag und bei der ich ganz genau weiß, dass ich sie dieser oder jener Person erst gar nicht vorspielen muss, weil sie nicht in ihr Geschmacksmuster passt.
Dann gibt es Musik, die mir selber nicht gefällt, bei der mir
aber zumindest klar ist, was man daran gut finden kann. Manchmal ärgert es mich sogar, dass ich darauf nicht anspringe, denn z.B. im Falle von Rammstein kann ich eine gewisse Faszination nicht ganz verleugnen. Trotzdem ist ihre Musik nichts für mich.
Auch eine Band wie The Weakerthans bewegt bei mir gar nichts, das Gerumpel von Isis bringt mich persönlich eher zum Lachen, aber ich habe zumindest sowas wie eine Ahnung, warum Menschen sowas toll finden können. Selbst einer Band wie Trivium, die ich im letzten Jahr zufällig live gesehen habe, gestehe ich zu, dass man sie unter bestimmten Umständen sogar mögen kann.

So weit, so unverständlich, denn was ich gerade dargelegt habe, ist ja eigentlich genau das, was ich ablehne. Natürlich gibt es Vorlieben, Abneigungen, von mir aus auch Geschmack. Wie bei Essen und Sex halt auch...

Was es meiner Meinung nach aber nicht gibt, ist folgendes:
Wenn jemand eigentlich einen guten "Geschmack" hat, dann aber auch Musik gut findet, an der so gar nichts Gutes ist, dann greift das für mich alles
einfach nicht mehr.
Ich meine, wie ist es möglich, dass Leute, die eben keine geschmacksbefreiten Feld-Wald-und-Wiesen-Einslive-SWR3
-Ü30-Aftershow-Partys-Konsumenten sind, ernsthaft Bands wie Coldplay oder aktuell The Gaslight Anthem gut finden können?!? Warum mögen sie belanglose Kapellen wie Beatsteaks?!? Wie krank muss man sein, wenn man gerne Tomte hört, und wie gelangweilt sind Menschen, die White Pony von den Deftones in den Himmel loben?!?
Geschmack my ass!!!

n.p.: Kajagoogoo - Gone to the moon
(gestern erfahren, dass es die wieder gibt und dass man sich bis Februar gratis ihr letztes Album von der Homepage 'runterladen kann; hatte irgendwie so was wie die Untouchables von Korn erwartet und bin jetzt schon etwas enttäuscht)

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14 Januar 2009

Linernotes sind wichtig [inkl. Nachtrag zu Musik gemacht (pt. i)]

Mir wird ja gerne vorgeworfen, etwas verkopft und weniger mit dem Herzen an Musik heranzugehen. Da mag zwar durchaus etwas dran sein, aber entscheidend ist doch letztendlich, was man für sich selber mitnimmt, und ich sehe es so, dass man auch aus einer möglicherweise verkopften Herangehensweise durchaus eine Herzensangelegenheit machen kann.

Seitdem ich mir selber Platten kaufe, ist der erste Akt fast immer (noch vor dem Hören, z.B. auf dem Weg nach Hause vom Geschäft) gewesen, die Linernotes komplett durchzuarbeiten. Wie abgefuckt bin ich, wenn da im Booklet o.ä. nur bunte Bildchen zu sehen sind! Infos über Musiker, Produzent, Tontechniker, Songschreiber, Mastering-Tontechniker, die in der Dankliste genannten Personen, all das war und ist für mich lebensnotwendig.
Wenn ich dabei Querverweise und Verbindungen finde, vielleicht sogar welche, mit denen ich vorher niemals gerechnet habe (z.B. Chris DeGarmo von Queensrÿche war Arrangeur auf catch without arms von dredg), ist der Tag für mich gerettet.
Manchmal passen Sachen, die nicht passen, dann eben auf einmal doch zusammen.
Scheiß auf die Texte, die
Linernotes sind es!

Wenn sich nun ein Künstler noch die Mühe macht, darüber zu erzählen, wie ein Song entstanden ist, was manche Sachen zu bedeuten oder wie sich entwickelt haben, wer genau was gemacht hat, woher die eigentliche Idee kam, irgendwas so oder so zu machen, dann möchte ich am liebsten weinen.
Als leuchtendes Beispiel muss ich hier in diesem Blog zum wiederholten Mal
Gavin Castleton nennen, der zu seinem Album Dark Age mal seitenweise aufgeschrieben und mangels Booklet auf seiner alten Homepage veröffentlicht hat, was ihn zu diesem oder jenem bewegt hat, wie er was aufgenommen hat und womit, was er genau vorhatte usw. Dies ging bis hin zu downloadbaren alternative takes und Screenshots aus den Programmen, die er für die Songs verwendet hat (siehe Bilder).





Besser geht es für mich eigentlich kaum (Moment, doch - ein Film wie Funky Monks von Red Hot Chili Peppers!).

Es würde mir wahrscheinlich sogar großen Spaß machen, Linernotes von Interpreten oder Platten zu lesen, die ich total zum Kotzen finde. Für mich würde das zum "Verstehensprozess" beitragen, und selbst wenn die Musik dadurch für mich vielleicht nicht besser werden würde, wäre sie vielleicht nicht mehr ganz so zum Kotzen.

Tja, und natürlich habe ich selber auch fast immer sowas gemacht, manchmal offiziell (habe früher mal bei einem Tape von mir ein ganzes Faltblatt mit Linernotes dazugelegt, allerdings netterweise mit dem Hinweis: "MUSS man ja nicht lesen..."), aber nicht selten auch heimlich für mich.
Naja, für sowas habe ich ja jetzt habe neben meiner daghoti.-Homepage noch diesen
Blog hier, und vor diesem Hintergrund lassen sich meine Ausführungen unter Musik gemacht (pt. i) vielleicht auch besser verstehen, denn was ich mir dazu von machen Leuten anhören musste, war schon arg an meiner Intention vorbei. Es handelte sich dabei nämlich mitnichten um den Aufschrei einer missverstandenen Künstlerseele (dazu habe ich mich ja hier auch schon mal geäußert), sondern einfach um einen Blogeintrag, der sowieso gekommen wäre. Das Plus für mich war dabei, dass ich so sogar schon auf konkrete Kritikpunkte eingehen konnte. Und mehr habe ich da zusätzlich zu dem ohnehin geplanten Eintrag auch gar nicht gemacht.

In diesem Zusammenhang fällt mir übrigens noch eine Sache ein, die ich vergessen habe. Passt ganz gut in die Kategorie "Entstehung des Songs":
Zum "Doom-Part" in The Peaceful Atom äußerte sich jemand so, dass dort "Tom-Warrior-Reserveriffs" zu hören seien, und "dem Drummer fällt auch nix mehr ein". Das fand ich aus zwei Gründen ziemlich witzig.
Geplant war von uns beiden ja ausdrücklich ein Doom-Part in der Mitte des Songs, aber mir fiel dazu echt nix Dolles ein. So entstammen die Riffs also tatsächlich einer Phase, in der mir auch selber nicht mehr alles zusagte, was ich so verzapfte, und es sind also wirklich dahingeschluderte "Reserveriffs"; zwar nicht von Tom Warrior, wohl aber von mir.
Ich schickte meinem Mitstreiter daher mal irgendwann ein wenig entnervt eine Skizze mit den letzten Ideen (z.B. auch von dem aus gutem Grunde "Sepultura-Part" genannten Riffing, das man ja bitteschön unmöglich ernst meinen kann!), wohl wissend, dass das totaler Scheiß war, und sozusagen als klare Ansage, im Moment sowas wie eine Schreibblockade zu haben.
Es dauerte nicht lange, da schickte er mir die Sachen zusammen mit seinen Ideen zurück. Er hatte dabei doch tatsächlich nahezu alles eingebaut, was ich selber für z.T. total bescheuert gehalten hatte, aber er hatte die ganzen Sachen so geil arrangiert und mit so ausgefuchstem Drumming versehen, dass ich das nahezu komplett (und sehr heftig) so abgenickt habe. Die Idee, die 7/8-Bridge mit dem 4/4-Sepultura-Stampfen übereinanderzulegen, wäre mir nie gekommen, und dieses völlig behinderte Drumming im Doom-Part davor
(sowas finde ich super, z.B. Confessor) wäre für mich als Nicht-Schlagzeuger natürlich schon mal gar nicht machbar gewesen (aus diesem Grund erbat ich für diesen Part übrigens auch ausdrücklich einen Click, um das vernünftig einspielen zu können).
Naja, was für den einen also ein unmotivierter Reserveriff-Möchtegern-Doom-Part war, wurde so für mich und meinen Mitstreiter zum absoluten Sahnestück in The Peaceful Atom.

Und genau das sind die Anekdoten, die ich dann auch bei anderen gerne lesen würde. Wer für mich also noch Tipps in dieser Richtung hat - nur her damit!

n.p.: Beastie Boys - Paul's Boutique
(hierzu gibt es übrigens ein ganzes Buch, das im Rahmen einer Reihe namens 33 1/3 herausgekommen ist; ich habe mir schon mehrfach vorgenommen, aus dieser Reihe mal mehr zu lesen, weil das ja nichts Anderes ist als das, worum es in obigem Post geht)

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13 Januar 2009

Stimmungsmusik (pt. i - miese Laune)

Wenn ich jetzt sagen würde, warum ich gerade so übelst drauf bin, würde man mir wohl kaum glauben, also lassen wir das mal besser...
Also, darum geht's: Enttäuschung, Unverständnis, Leere, durchaus auch sowas wie Verzweiflung und Frustration*.
Erst hatte ich ja mal überhaupt gar keine Lust auf Musikhören und habe nur unmotiviert durch dieses Internet hier geklickt, dann aber kam mir die Lösung in den Sinn.
Bin jetzt beim vorletzten Track angekommen und stelle fest, dass das angesichts meiner Gefühlslage die wohl perfekte Wahl war:

n.p.: The Book of Knots - s/t

So eine ekelhafte Platte muss man erst mal hinkriegen!
An anderer Stelle habe ich schon mal das hier zu dem Album geschrieben:

Diese Platte ist fies und tut weh. Die verstimmten Gitarren verbreiten ebenso Unbehagen und Schmerz wie die mal weiblichen, mal männlichen Gesänge. Selbst die einlullenden Songs zwischendrin vermögen die irgendwie vergiftete Atmosphäre nicht wirklich zu entspannen. (...)

Auch wenn es unlogisch klingt: was Besseres hätte mir gerade nicht passieren können. Habe zwar jetzt Sodbrennen (wirklich ohne Witz!) und bin auch noch nicht wieder ganz oben**, aber die Platte hat definitiv geholfen.
Schon toll, dass Musik so etwas zu leisten imstande ist...

* Hört sich jetzt wahrscheinlich schlimmer an, als es letztendlich ist/war. Bin ja grundsätzlich schon (immer
noch) ein Sonnenscheinchen...
** Wie gesagt...

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12 Januar 2009

Musik gemacht (pt. i)

Ich habe 1995 zum letzten Mal in einer Band gespielt. Es war eine recht gute Band, was man vielleicht daran ablesen kann, dass (Achtung, jetzt wird's kompliziert) die Hälfte von ihr mitlerweile ein Drittel von Japanische Kampfhörspiele bildet. Bis zu diesem Zeitpunkt hatte ich auch schon Soloveröffentlichungen herausgebracht, aber ab 1995 war ich nun endgültig zum musikalischen Einsiedler geworden. Es gab zwar seitdem noch die eine oder andere Kollaboration, aber in den meisten Fällen war ich dann doch der "musikalische Leiter" oder habe wirklich nur einen Aushilfsjob übernommen.
Witzigerweise (naja, so witzig war das irgendwie gar nicht) gab es zu der Kollaboration, um die es hier geht, noch ein Vorspiel, das aber damit endete, dass die meisten Mitstreiter nicht mehr mitmachten, ja nicht einmal mehr mitstritten, sondern offenbar der Meinung waren, mir nicht gewachsen zu sein. Dies hat mir einiges über die Leute gesagt, aber durchaus auch das eine oder andere über mich.
Wie dem auch sei - im Herbst war es dann soweit, dass ich einen mir bekannten Schlagzeuger fragte, ob er sich nicht an einem Stück beteiligen wolle, wobei ich ihm freistellte, nur einen Studio-Job abzuliefern oder aktiv mitzuarbeiten. Zu meiner großen Freude entschied er sich für letzteres. Freudig erregt war ich aus mehreren Gründen:
  • Ich hatte nach dem letzten gescheiterten Projekt, bei dem am Ende fast alles an mir hängengeblieben war, sehr große Lust auf eine kreative Zusammenarbeit. Die Vorgehensweise, dies ausschließlich über das Internet und nicht von Angesicht zu Angesicht abzuwickeln, fand ich auch nach der vorangegangenen Pleite interessant und gut (wobei ich nicht ungerecht sein möchte, denn diese Arbeitsweise hat zu Beginn gut gegriffen und wurde zumindest mit einem Projektmitglied erfolgreich bis zum Ende durchgezogen).
  • Ich war mir durchaus unsicher, ob ich das alles nach sehr langer instrumentaler Abstinenz (Bass und Gitarre hatte ich mehr als ein Jahrzehnt lang nur mal für kurze Passagen in die Hand genommen) schultern können würde und brauchte daher vielleicht auch jemanden, der mir sozusagen etwas Dampf unterm Hintern macht. Ich hatte mir zwar ohnehin vorgenommen, demnächst wieder solo mehr mit Gitarre/Bass zu machen, aber ich benötigte einen rasanteren Start, als ich ihn aus eigenem Antrieb hätte hinlegen können.
  • Der von mir gewählte Mitstreiter stand in hohem Ansehen bei mir, weil ich wusste, dass er a) ein mehr als ordentlicher Schlagzeuger war, b) über die entsprechenden Aufnahme-, Mixing, und Masteringmöglichkeiten sowie -fähigkeiten verfügte und c) mir persönlich sehr sympathisch war. An diesen Punkten hat sich nur insofern etwas geändert, dass sich sein Ansehen bei mir sogar noch potenziert hat, weil er sich darüber hinaus glänzend darauf verstand, das Projekt in geordnete Bahnen zu lenken und auch sonst alles richtig gemacht hat (außer dass er kurz vor Weihnachten eine nahezu komplett editierte Version zerschossen hat und davon kein Backup gemacht hatte). Dass mal nicht ich die gesamte "Tontechnik" in die Hand nehmen musste, habe ich auch sehr genossen.
Was soll ich sagen - all diese Punkte gingen für mich in Erfüllung, so dass ich mich nun gerüstet fühle, den nächsten Schritt zu tun. Auch eine Wiederholung der Zusammenarbeit wäre von meiner Seite aus durchaus erwünscht.
Kommen wir nun zur Rezeption des Ergebnisses, denn tatsächlich war das Feedback erschreckend mau und teilweise sogar explizit negativ. Die Gründe dafür sind vielfältig, und ich will auch gar nicht hier 'rumweinen, dass sie m.E. vor allem mit meiner Person zu tun haben; dennoch möchte ich zu ein paar Stellung nehmen.
  • Ein Kritikpunkt war, dass der Song vor allem "anspruchsloses Standart[sic!]geriffe/lahmes Rumgeriffe" böte. Fakt ist, dass nie geplant war, das Rad neu zu erfinden, sondern tatsächlich, rockige Riffs aneinanderzureihen und es ein bisschen krachen zu lassen. Dass ich kein guitar hero bin bzw. nach all den Jahren auch keiner sein konnte, wusste zumindest ich selber vorher schon. Bin allerdings durchaus zufrieden, wenngleich ich manche Parts mittlerweile anders spielen würde.
  • Desweiteren wurde bemängelt, dass der Song "nicht genug Substanz" habe. Jetzt wusste ich ja schon von meinen Solo-Sachen, dass die Rezeption darüber, was kompliziert/einfach klingt und tatsächlich kompliziert/einfach ist, sehr weit auseinanderklaffen kann. Dies kann z.B. an möglicherweise nicht so ausgeprägtem Musikverständnis, aber auch ganz einfach am Standpunkt liegen. In einem Interview wurde ich mal gefragt, wie ich diese komplizierten Sachen denn eigentlich behalten bzw. hinkriegen würde, worauf ich meine Meinung kundtat, dass ich das gar nicht könnte, wenn die Sachen wirklich kompliziert wären. Ist ja klar - ich war ja im Song drin, denn ich hatte ihn ja schließlich geschrieben und aufgenommen; dass ich dann eben im Gegensatz zum Hörer auch den absoluteren Überblick über die Songmatrix habe, sollte ja wohl klar sein. Im aktuellen Fall weiß ich als Beteiligter auch sehr wohl, wie viele Feinheiten (z.B. rhythmisch) im Song vorhanden sind. Von daher empfinde ich es fast als Lob, wenn das durchaus immanente "Muckertum" offenbar gar nicht so zum Tragen kommt. Ich selber liebe Songs/Platten/Interpreten, bei denen genau das gelungen ist.
  • Der Song wurde als "zu lang" bezeichnet, wohl besonders weil er ohne Gesang auskommen musste und eben mit zu "anspruchslosem Riffing" versehen war. Die Songlänge ist in der Tat nicht auf meinem Mist gewachsen, denn bei mir wäre der Song wohl nur etwa halb so lang gewesen, weil ich nun mal dazu neige, viele Idee in kurzer Zeit unterzubringen. Da ich mich diesbezüglich ohnehin ändern wollte (hört man ja auch schon zumindest teilweise auf meiner letzten daghoti.-Veröffentlichung How tall is Robin Gibb?) und dabei auf das Drängen meines Mitstreiters gehört habe, werte ich diese Umsetzung für mich persönlich als Gewinn. Dies soll freilich nicht heißen, dass ich es ungerne gemacht habe; die Meinung, dass der Song zu lang ist, teile ich nicht einmal, weil die einzelnen Parts m.E. so variabel arrangiert wurden, dass die Songlänge völlig in Ordnung geht (was aber auch nicht heißt, dass ich nicht vielleicht doch irgendwann mal eine Gesangsspur hinzufügen werde).
  • Einig waren sich die Kritiker wohl vor allem darin, dass sie von den beiden Beteiligten mehr erwartet hatten. Gut, für Erwartungshaltungen kann jeder Konsument nur selber etwas, solange sie nicht übertrieben von den Akteuren geschürt wurden, was hier sicherlich nicht der Fall war. Positiv nehme ich daraus mit, dass man mir offenbar durchaus etwas (und sogar mehr!) zutraut. ;)
Fazit: Natürlich hätte ich mir auch gewünscht, dass alle vor dem Ergebnis auf die Knie gegangen wären. Für mich war aber vor allem der Weg das Ziel, und der Weg war für einen Erstversuch schon annähernd optimal.
Wenn ich mir zudem angucke, welcher Aufwand dafür betrieben wurde, muss ich schon festhalten, dass dieser Song geradezu nebenbei fertiggestellt wurde, denn niemand hat sich dafür tage- oder wochenlang freigenommen, sondern seinen Teil stattdessen neben Arbeit, Familie, sonstigen Hobbys und Aktivitäten fertiggestellt.
Desweiteren haben sich -wie ich ja oben schon sagte- meine persönlichen Hoffnungen allesamt erfüllt bzw. sie wurden sogar teilweise übertroffen.
Die Bewertung des Ergebnisses unterliegt natürlich mal wieder dem persönlichen Geschmack (), aber ich für meinen Teil kann mich gut mit unserem Song identifizieren und spiele ihn anderen auch gerne vor.
Ach ja, das Wichtigste hatte ich ja noch vergessen: den Song kann man sich übrigens hier anhören.

n.p.: daghoti. w/ lieutenant kruger - The Peaceful Atom
(wie geil ist das denn bitteschön!?!)

Es gibt übrigens einen Nachtrag zu diesem Post, weil ich was vergessen hatte und manch einer meine Intention wohl etwas missverstanden hat.

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Offenes Special-Interest-Tagebuch

Wie ich aus sicherer Quelle weiß, gibt es tatsächlich Leute, die meinen immer noch neuen Blog gelesen haben. Natürlich freut mich das, aber ein bisschen geschockt bin ich irgendwie auch. Ein Vorbehalt, den ich gegenüber Blogs immer schon gehegt habe, war ja schließlich, dass sie eh nicht gelesen werden.
Als ich mich vor Start dieses Blogs hier mal in den Blogs von mir persönlich bekannten Leuten umgeguckt habe, stellte ich sogar fest, dass die meisten von ihnen (mangels Leserschaft, vermutete einfach mal) schon z.T. seit drei Jahren nicht mehr gepflegt wurden.

Offenbar hat irgendein kluger Mensch aber mal gesagt, dass sie gar nicht dazu da sind, gelesen zu werden, sondern vor allem dazu, geschrieben zu werden. Vermutlich ist das so, denn ich habe festgestellt, dass mir das bloße Schreiben dieses Special-Interest-Tagebuchs durchaus Spaß macht. Wenn
dann ab und an jemand mal was davon liest (und vielleicht sogar gut findet), ist das natürlich umso schöner. Also - keep goin'!

n.p.: Cougar - Law
(nie war Postrock angenehmer)

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09 Januar 2009

Geschundene Künstlerseele(n) vs. Ich

Aus aktuellem Anlass (siehe Blog von Gavin Castleton, dessen Album ich ja hier sogar ungehört schon mal angepriesen hatte) stelle ich mir die Frage, ob er Recht hat oder nicht.
Womit Recht? OK, Kurzzusammenfassung:

Gavins neues Album Home erscheint am 13.02., einem für ihn offensichtlich sehr wichtigen Datum, wie überhaupt alles an der Platte für ihn persönlich unheimlich wichtig ist, weil er damit eine verflossene Liebschaft verarbeitet hat bzw. immer noch verarbeiten will. Er hatte sogar ganz genaue Vorstellungen, wie er das Album unter die Leute bringen wollte, nämlich zunächst einmal nur häppchenweise und das auch noch über einen Zeitraum von einem halben Jahr. Genauso wie ihm jedes kleinste Detail der Musik etwas bedeutete, musste dieses Procedere ganz genau eingehalten werden, damit das Album auch tatsächlich die für ihn gewünschte Wirkung (nichts weniger als sein Seelenheil, nehme ich mal an) erzielen kann.
Tja, und nun ist es also einen guten Monat vorher als Leak im Netz aufgetaucht und entsprechend komfortabel auf einschlägigen Seiten erhältlich. Auch wenn er grundsätzlich immer selber ein Verfechter von freier Musik war und nicht wirklich Angst hat, dass ihm dieser Leak finanziell schadet, ist er nun ziemlich am Boden zerstört und macht seinem Frust in einem "Open Letter to the Pirate" (huh huh! ) Luft.

Ist das jetzt bigott oder nicht?
Von der künstlerischen Seite ist das sicherlich alles irgendwo nachvollziehbar, von der persönlichen vielleicht sogar noch mehr. Ich stelle allerdings fest, dass ich gar nicht so ticke. Ich halte seinen offenen Brief für ziemlich übertrieben und weinerlich, vielleicht sogar ein bisschen selbstherrlich. Er ist nicht der Nabel der Welt und kann doch nicht auf der einen Seite sagen, dass er selber immer illegal Musik vorab aus dem Netz gezogen hat und sich nichts dabei dachte, und auf der anderen Seite dann dieses Fass aufmachen!?!
Und er kann doch Leute (wie mich) nicht ein halbes Jahr in ihrem eigenen Saft schmoren lassen, ihnen hier und da mal ein paar Takte um die Ohren hauen und dann wieder eine lange Nase zeigen und auf den 13.02.2009 verweisen?!
Ich fand's ja schon nett, dass er irgendwann wenigstens mal angefangen hat, auch mal fertige und komplette Songs 'rauszuhauen (zuletzt war es ja jeden Montag ein neuer Song), aber auch das empfand ich letztendlich als Fortsetzung der bisherigen "Folter", denn die Songs waren ja schließlich der Beweis dafür, dass eigentlich alles fertig ist.
Und mal Hand aufs Herz: wie viele Leute warten denn jetzt wirklich auf dieses Album? 100? 200? 500? Und von denen wird auch nur wieder ein Bruchteil diese ganze Sache (Blog, YouTube-Channel, MySpace) verfolgt haben, und es ist auch nicht so, als wäre das jetzt ein genialer Promotionfeldzug, mit dem er die Leute kriegt, die nicht mal wissen, dass er überhaupt geboren wurde und mit drei Jahren mal angefangen hat, Klavier zu spielen.
Sorry, Gavin, aber ich habe keine Zeit für sowas! Außerdem bin ich Albumhörer und kann daher mit einer solchen Vorgehensweise gar nichts anfangen!

Auf der anderen Seite ist mir aber schon bewusst, dass meine Meinung dazu wohl nicht besonders sensibel ist. Es gibt nun mal Leute (Künstler! ), für die all das total wichtig und so ist, und vermutlich gibt es auch nicht wenige Fans (), denen dabei auch einer abgeht.
Ich persönlich bin dafür allerdings zu pragmatisch und unleidenschaftlich und weiß nicht mal, ob ich gerne was von dieser Leidenschaft abhaben möchte. Sowas verursacht doch echt nur Stress (wie man jetzt ja auch sieht)...

Naja, wie dem auch sei - I'm in it for da music, und daher werde ich (mindestens) fünf CDs von Home kaufen, um Gavins großartige Musik (mindestens) vier weiteren Leuten aufzudrängen, denn großartig war sie bislang immer.
Also, Gavin, bitte nicht falsch verstehen: ich liebe Deine Musik und denke auch, dass man wahrscheinlich so verkopft und schwermütig sein muss, um derartig tolle Sachen erschaffen zu können, aber ich bin für sowas echt zu unleidenschaftlich und vielleicht auch ein bisschen zu alt. Nix für ungut.

Mann, wie grausam war das eigentlich früher, als man echt immer bis zur VÖ warten musste!?!
Danke, Internet - wenigstens
das hast Du hingekriegt...

Anm. d. Verf.: Dieser Blog-Eintrag bezog sich tatsächlich nur auf den offenen Brief von Gavin Castleton. Dass es natürlich nicht in Ordnung ist, wenn man sich kostenpflichtige Musik gratis im Internet 'runterlädt, versteht sich für mich von selbst. Und das ist jetzt gar nicht ironisch gemeint!
now playing:
(na, was glaubt Ihr denn wohl...!?! ;)

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06 Januar 2009

Kombiniere


Andere Blogs sind kürzer. Ich fange aber ja auch gerade erst an...

now playing: SDNMT - IYUTSO-BI
(passt gut zum kalten Wetter, geht aber auch ebenso gut im Hochsommer; aber nur morgens, wenn die Sonne gerade aufgeht und man Auto fährt)

Unsexy Musikvorlieben

Ich bin ein Musiknazi, der gerne Leute nach ihren musikalischen Vorlieben beurteilt. Komischerweise gefallen mir oftmals vor allem Sachen nicht, die fast jeder gut findet, was natürlich zur Folge hat, dass ich sehr viele Leute schlecht beurteile. Man könnte das für eine fixe Idee halten und mir vorwerfen, gerne möglichst gegen den Strom schwimmen zu wollen. Wäre das so, würde ich doch aber zumindest heimlich Coldplay hören wollen, oder!?
Auch meine Vorliebe für musikalisch und instrumental etwas anspruchsvolleres Material, das sich nicht nur auf 4/4- oder auch mal einen 3/4-Takt beschränkt, wird von daher oft angezweifelt. In einem Interview mit Upsilon Acrux, eine dieser "krummen" Bands, habe ich zu dem Thema mal was gefunden, was ich auch als Konsument derartiger Musik so unterschreiben würde:

We feel 7/4 the way that most people feel a 4/4 pocket. It's just a downbeat -- it's like you wanna rock, but so much shit is rocked in 4. And it's rad. But I can't do that shit again -- I'd like to hear something else. That's why I like Meshuggah and other bands that step out of the standard time signatures. It's not just to be odd; it's just to do something a little different and see if it can still be interpreted as rock. (...)
I still say we are a rock band, we just try not to do typical things. We listen to enough music, we're big enough music geeks, that we wouldn't want to play something cool that had already been done by ten thousand bands. It works in music and it works in art: If you have something to say, then say it in your own way. If you don't have anything to say, shut the fuck up, go home and be a consumer. There are so many bands that clearly don't have anything to say. Most bands these days sound like they're working at Kinko's, just carbon copies of other bands. "This works, so let's do this." There aren't many personal choices being made other than, "How tight should my vest be," or "How black should these jeans be?"
Tja, so sieht's doch mal aus!

Natürlich ist es auch irgendwie schick, mit kruden Bands, von denen nie jemand
was gehört hat, hausieren zu gehen, aber ich suche mir "meine Musik" immer noch nach Gefallen aus, und Tatsache ist nun mal, dass mich viele Sachen einfach langweilen und ich diese Interpreten aus diesem Grund halt irgendwo ausgraben muss, um mein Seelenheil zu finden. Es ist ja nicht mal so, dass ich kotzen müsste, wenn ich angesagte Sachen mal zufällig höre (manches finde ich sogar okay), aber vieles reizt mich einfach nicht so sehr, dass ich mir den Kram auch selber auflegen würde.

Schick ist es natürlich auch, sich zu Bands zu bekennen, die viele Leute doof finden, aber auch hier leitet mich in erster Linie mein persönlicher Geschmack und nicht vorrangig die Lust auf den Schockeffekt. Um nur mal drei Beispiele zu nennen:

Kajagoogoo - seitdem ich die Instrumentalseite von Too Shy auf der B-Seite der 7" gehört habe, wusste ich, dass ich diese Musik super finde. Folglich hingen damals Poster der Band in meinem Zimmer, und viele Jahre später habe ich mir zwei CDs von ihnen gekauft, die ich ausnahmslos gut finde.

Wham! - die Make it big kann ich immer noch komplett auswendig mitsingen, und soeben habe ich sie mir auf CD bestellt. George Michael ist für mich einer der ganz Großen, und so habe ich auch seine Post-Wham!-Karriere aufmerksam beobachtet, was sich auch unter dem Buchstaben M in meinem CD-Regal bestätigt.
Interessanterweise hat auch hier eine Instrumentalversion (nämlich die von Careless Whisper) einige Wege geebnet...

Take That - als ich erstmals das Video zu Pray sah, war ich geflasht und habe mir sofort die Platte gekauft. Natürlich finde ich nicht alles auf diesem Album und auch dem Nachfolger gut, aber im großen und ganzen fand und finde ich die Musik einfach klasse. Ich habe sogar zwei Live-Konzerte auf VHS und habe mir unlängst auf SuperRTL ein weiteres aufgenommen.

Wenn man sich anguckt, wie Leute bei Schlagerpartys abgehen, könnte man jetzt meinen, dass ich vor allem den Trash-Faktor dieser Bands gut finde, aber es ist ganz einfach so, dass ich die Musik mag!
In den ersten beiden Fällen spielt sicherlich eine Rolle, dass diese Bands in meiner Jugend aktiv waren, aber Take That kamen ja z.B. deutlich später, so dass ich den Nostalgie-Faktor auch nicht gelten lassen möchte.

Apropos Jugend - innerhalb seiner Peer-Group musikalisch abzuweichen, ist ja auch immer so eine Sache, aber ich habe damals schon nicht verstanden, warum man nicht gleichzeitig Slayer und The Cure toll finden konnte.

It's all about the music! It's all about taste!
Wenn ich also viele Sachen, auf die sich auch von mir persönlich und musikalisch durchaus
geschätze Leute berufen, langweilig finde, gerne hochtrabendes Zeug höre, auch Plastikbands wie die drei genannten mag und somit eben Interpret A nicht zu Interpret B und der wiederum nicht zu Interpret C passt, dann muss das doch kein Widerspruch sein, oder!?
Dummerweise schieße ich mir mit diesem "Ist doch Geschmackssache"-Argument selber ins Knie, denn ich selber lasse das in der Regel nicht gelten (für die Ausführungen von Upsilon Acrux weiter oben hätte ich z.B. Dream Theater ausgelacht).

now playing: Wham! - The Final
("Make it big" ist ja noch nicht da bzw. nur auf Vinyl parat, und da müsste ich jetzt ein paar Kabel umstecken...)

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05 Januar 2009

Ein typischer Tag im Leben des Mark Leyner

Vielleicht setze ich mich irgendwann ja wirklich mal an die Übersetzung meines Lieblingsbuchs "Et tu, babe" von Mark Leyner...

Gestern - nach einem langen Nachmittag der Uneigennützigkeit, an dem ich u.a. eine Lesung (mit anschließender Fragerunde) für die Bewohner eines örtlichen Blindenheims abgehalten habe - gehe ich ins Tag&Nacht. Dort trinke ich etwa 23 Jägermeister-Orangensaft und breche einen Streit mit dem Leiter der Kölner Berufsfeuerwehr vom Zaun. Es geht um eine Frau, die wir beide abzuschleppen versuchen. Ich töte ihn mit einem einzigen gezielten Roundhouse-Kick an die Schläfe und verlasse das Etablissement mit der Frau, die mich in einer seltsam rauhen Basso-Profundo-Stimmlage angurrt.
Als wir
in meiner Wohnung sind, schütte ich den Inhalt ihrer Handtasche aus: eine geladene Pistole mit einem Griff aus Jade, Quaaludes©, thailändische "Golden Eggs" (vibrierende Analstimulations-Kugeln), eine Packung Morphium (pharmazeutische Qualität), ein kleines schwarzes Buch mit den privaten Telefonnummern einiger Bundestagsabgeordneter. Ich steige aufs Bett und tanze zu der elektronischen Musik, mit der man normalerweise Flöhe und Küchenschaben vertreibt. Mein Ständer leuchtet in der Dunkelheit und hält den Takt wie ein Metronom, und dann treiben wir es es bis zum Anbruch der Dämmerung, wobei wir uns bei jedem Orgasmus fast bis zur Bewußtlosigkeit mit Kimono-Gürteln strangulieren.
Am näc
hsten Morgen bereite ich eine Jerusalemartischocke mit Spinatsalat, gedämpftes Kaninchen in Weißwein und einen pürierten Kastanien- und Schokoladenschichtkuchen zu und bringe alles rüber zu Schwester Norberta, die neben der Kirche eine Essensausgabe für Obdachlose betreibt. Für den Rest des Tages schreibe ich ausgedehnte, lyrische, fast psalmartige Meditationen über die erlöserischen Fähigkeiten der Liebe.

Werde ich mich jemals mit meinen inneren Widersprüchen abfinden?
Ist es so falsch zu leben, wie ich es tue?

now playing: Portishead - Third
(letztes Jahr total an mir vorbeigegangen)

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04 Januar 2009

Das wahrscheinlich beste Album des Jahres

Vielleicht sollte man sowas nicht machen - schon im Vorhinein darüber spekulieren, welche Platte wohl am Ende des Jahres auf dem 1. Platz stehen wird. Zum einen könnten schließlich Überraschungen passieren (im letzten Jahr hätte ich sicherlich nicht mit The Mars Volta gerechnet), zum anderen könnte die Platte ja dann doch nicht so toll sein, wie man es sich erhofft hatte.
In diesem Falle möchte ich eine Ausnahme machen, denn ganz egal, ob sie am Ende wirklich oben stehen wird, gehe ich fest davon aus, dass Gavin Castleton auch dieses Mal kein schlechtes Album abliefern wird.


Gavin Wer?!?


Tjaja, und damit fängt das Drama schon an, denn zu wenige Menschen kennen ihn und seine Musik, die manchmal nach Electro-Pop (z.B. auf Hypotenuse), oft nach Hip Hop (z.B. auf Dark Age), aber immer öfter auch nach Singer/Songwriter (z.B. auf For the love of Pete) klingt (nicht zu vergessen auch seine spoken word-Groteske Grace Land).
Netterweise hat er aber immer viel gratis im Netz zur Verfügung gestellt bzw. auch mit Hinweisen auf seinen CDs ("Unauthorized duplication is expected/encouraged.") klargemacht, dass es ihm vor allem darauf ankommt, dass möglichst viele Leute seine Musik hören können.
In seinem Blog gibt es z.B. die komplette Konzept-EP A Bullet, A Lever, A Key in ordentlicher Qualität (256kbps). Diese war übrigens 2007 ganz oben auf meiner Liste und sollte Beweis genug sein, dass nicht alles, was nichts kostet, auch zwangsläufig schlecht sein muss. Musikalisch haben wir es hier mit einer angeproggten Hip Hop-Variante zu tun. Inhaltlich spinnt er auf sehr schmerzhafte und deprimierende Weise sein Leben weiter, wie es verlaufen nnte (aber hoffentlich nicht wird), wobei die Ereignisse in umgekehrter Reihenfolge erzählt werden.
Damit man im mittlerweile sehr umfangreichen (und übrigens sehr lesenswerten) Blog nicht suchen muss, gibt es hier die Links zu den Songs, aber Gavins komplette Ausführungen (inkl. Texte, weiterer Geschichten und mehr) sollte man sich der Vollständigkeit halber ruhig auch mal durchlesen:

  1. 2054
  2. 2045
  3. 2038
  4. 2031
  5. 2020
  6. 2011
  7. 2007


Dass er auch ohne Hip Hop-Einflüsse kann, hört man hier:


Außerdem gibt es natürlich auch noch seine MySpace-Seite, auf der er bis zum Release offenbar jeden Montag einen neuen Song seines bald erscheinenden Albums Home vorstellen wird (die Aufnahmen dazu hat er übrigens auf seinem YouTube-Channel filmisch begleitet).

P.S.: Wer jetzt heiß geworden ist, der kann es ja auch noch mit seiner Prog-Band Ebu Gogo versuchen. ;)

now playing: Gavin Castleton - Unparallel Rabbit + Coffeelocks
(on endless repeat)

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Why don't we do it in the road?